Siebzehnter Brief.
würfe wird vielleicht mein Katechismus Schuld haben. Er bctriftdas Wort vollenver. Man hat mich gelehrt, zu der Erlösungder Menschen gehörten auch das Hinabsteigen zur Hölle und dieHimmelfahrt Christi. Ist es aber auf iLrden geschehen, daß ersich den Teufeln triumphircnd gezeigt hat? Ist er in seinerMenschheit gen Himmel gefahren, oder in seiner verklärtenMenschheit? Ich weis also nicht, wie man sagen kann, Chri-stus habe die Erlösung aus Erden in seiner Menschheit vollen-Ver? Dieses ist die Stelle, aus welcher man am zuverlässigstenschliesscn könnte, wo die Handlung des Gedichts aufhören werde.„Und durch die er Adams Geschlecht die Liebe der GottheitMit dem Blute des heiligen Bundes von neuen geschenkt hat.„Zm Vorbeygehen will ich erinnern, daß der Ausdruck VasNlm des heiligen Bundes zwcydcutig ist. Das Blut der Bc-schncidung war auch Blut eines heiligen Bundes. Was mir aberhier am besondersten vorkommt, ist die Liebe der Gottheit, welcheder Messias durch das Blut des heiligen Bundes dem GeschlechteAdams von neuen geschenkt hat. Die Menschen hatten alsodie Liebe der Gottheit vcrlohrcn? Gott haßte also die Menschen;und gleichwohl hatte er von Ewigkeit beschlossen, sie erlösenzu lassen? Ich will nicht hoffen, daß mein Emwurf die Sacheselbst trift; ich glaube vielmehr, der Dichter hätte einen behut-samern Ausdruck wählen sollen. Der gewählte, er mag symbo-lisch seyn oder nicht, bringt auch den kurzsichtigsten Leser auf denunverdaulichsten Widerspruch. Das hiesse das unveränderlicheWesen Gottes zu dem veränderlichsten machen, wenn man sagendürfte; Gott könne einem Geschöpfe, das seine Liebe vcrlohrcn,(man überlege den ganzen Umfang dieses Worts) das sie, sageich, vcrlohrcn habe, diese vcrlohrnc Liebe von neuen schenken.Was für niedrige Begriffe von Abwechselung Hasses und Liebedichtete man dem sich selber ewig Gleichen an? Doch wie kön-nen die Menschen seine Liebe vcrlohrcn haben, wann gleichwohl,wie der Dichter in der folgenden Zeile sagt, durch die Erlösungdes Ewigen Wille geschehen ist? Kann der in des Königs Un-gnade seyn, den der König glücklich zu machen beschließt? Ichsehe ein Labyrinth hier vor mir, in das ich den Fuß lieber nichtsetzen, als mich mit Mühe und Noth herausbringen lassen will.