Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
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Siebjchittcr S-ncf,

Würdc es nicht noch schöner gewesen seyn, wenn er seine Seele,als diejenige angeredet hätte, welche selbst an der Erlösung dersündigen Menschen Theil hat? Hieraus würdc eine Verbindlich-keit zu singen entstanden seyn, die seinem Eingänge eine durch-aus neue und von keinem Dichter gebrauchte Wendung gege-ben hätte. Ich weis es, dieser Zug müßte mit einer Fein-heit angebracht werden, deren nur eine Meisterhand sähig ist.Allein, wäre er der einzige gewesen, der von dieser Art in demewigen Gedichte glänzet? Wie viel der feinsten Anspielungen,welche durch ein einziges Wort ein Meer von Gedanken in derSeele zurücklassen, findet man nicht darinne? Man betrachtedie Zeile wie sie ist, und überlege wie sie seyn könnte. Sichselbst, oder seine Seele, schildert der Dichter auf ihrer prächtig-sten Seite, auf der Seite der Unsterblichkeit; alle andere Menschenauf der allcrelcndcstcn, auf der Seite sündiger und vcrlohrncrGeschöpfe. Scheint sich der Dichter also nicht von ihnen aus-zuschlicsscn? Hätte er einen gleichgültigem Eingang finden kön-nen, wenn er die Bcfrcyung eines Volks, das bisher in demZoche der Knechtschaft gcscufzct, besungen hätte; eines Volks,wovon er kein Glied wäre? Zch bin ein Feind von Parodien,weil ich weis, daß man das vortrcflichstc dadurch lächerlich ma-chen kann. Sonst wollte ich versuchen, ob man nicht einen un-tadclhastcn Eingang zu einem Heldengedicht aus die Bcfrcyungzum Ercmpcl der Holländer, daraus machen könne. Beynahehätte ich lieber Lust zu zeigen wie diese erste Zeile seyn könnc,wenn sic mcine Critik nicht trcffcn sollte. Doch auch dieses willich unterlassen. Ein unglücklichcs Beyspiel macht oft eine ge-gründete Anmerkung verdächtig.Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet.Diese Zeile ist leer. Ein einziger Begriff ist unter vcrfchicd-ncn Ausdrücken dreymal darinne wicdcrhohlt. Liegen auf Er-den und in seiner Menschheit nicht schon hinlänglich in demWorte Messias? Wann anstatt Messias der Dichter crvigerSohn, oder etwas glcichgcltcndcs, gesagt hätte, so würdc dasfolgende nothwendig seyn. Es würdc Umstände ausdrücken, diehier stehen müßten, und welche in dem Worte ewiger Sohn nichtliegen. Dieses, sollte ich meinen, ist klar. An dem folgenden Ein-