Achtzehnter Brief.
Dichtkunst bc») gcwissc» geistige» Gegenständen, von welchenman sich nicht anders als die allcrlautcrstcn Begriffe machensollte. Einem philosophischen Kopfe ist schon das anstößig, daßdie Sprache für die Eigenschaften des selbständigen Wesenskeine besondre und ihnen eigenthümliche Benennungen hat; wieviel anstößiger muß es ihm seyn, wann der Dichter diese Ar-muth zu einer Schönheit macht, und überall seine sinnliche Vor-stellungen anzubringen sucht? Den Ausdruck die Weisheit Got-tes, ist man schon gewohnt, und man kann ihn, so uncigcnt-lich, so schwächend er auch ist, nicht entbehren; durch die Bey-wörter tiefsinnig und einsam aber, wird er noch weit uncigcnt-lichcr, noch weit schwächender.
Dieser Anmerkung ungeachtet unterstand ich mich zu behaup-ten, daß wenn der Bcrfasscr des Messias auch kein Dichterwäre, er doch ein Vertheidiger unsrer Religion seyn würde, unddieses weit mehr als alle Schriftsteller sogenannter geretteterOffenbarungen oder nntrnglicücr beweise. Oft beweisen dieseHerren durch ihre Beweise nichts, als daß sie das Beweisenhätten sollen bleiben lassen. Zu einer Zeit, da man das Chri-stenthum nur durch Spöttcrcycn bestreiket, werden ernsthafteSchlüsse übel verschwendet. Den bündigsten Schluß kann manzwar durch einen Einfall nicht widerlegen, aber man kann ihmden Weg zur Ueberzeugung abschneiden. Man setze Witz demWitze, Scharfsmnigkcit der Scharfsinnigkcit entgegen. Suchtman die Religion verächtlich zu machen, so suche man aus derandern Seite, sie in alle dem Glänze vorzustellen, in welchemsie unsre Ehrfurcht verdienet. Dieses hat der Dichter gethan.Das erhabenste Geheimniß weis er auf einer Seite zu schildern,wo man gern seine Unbcgrciflichkcit vergißt und sich in der Be-wunderung verlieret. Er weis in seinen Lesern den Wunsch zuerwecken, daß das Christenthum wahr seyn möchte, gesetzt auch,wir wären so unglücklich, daß es nicht wahr sey. Unser Ur-theil schlägt sich allzeit auf die Seite unsers Wunsches. Wanndieser die Einbildungskraft beschäftiget, so läßt er ihr keine Zeit,auf spitzige Zwciscl zu fallen; und alsdann wird den meistenein unbcstrittncr Beweis eben das seyn, was einem Wcltwciscnein unzubcstrcitcndcr ist. Ein Fechter faßt die Schwäche der