384 AuS der Berlinischen Zeitung vom I. I75Z.
losophischcn Cursum schreiben wolle. Und alsdann wird mau wenigerdarwider einzuwenden habe». Von der Ausführung wird ein verstän-diger Leser dasjenige zu sagen gedrungen seyn, was man von allenSimoncttischcn Schriften schon längst gesagt hat, daß sie in einerschonen Schreibart, in einer ungezwungenen Lebhaftigkeit und in einerOrdnung abgefaßt sind, welche der Verfasser mehr in dem Kopfe alsauf dem Concepte gehabt hat. Diejenige» welche viel neue Wahrheitenhier von ihm verlangen, sind sehr abgeschmackt. Das neue sollte unsin den spcculativischcn Theilen der Wcltweisheit allezeit verdächtig seyn.Genug wann ein Schriftsteller, welchen seine äußerlichen Umstände inein schon von vielen durchforschtes' Feld nöthigen, zeigt, daß er nichthloß nachbete, daß er es selbst durchgeforscht habe; gesetzt auch, erhabe nicht mehr erforscht als seine Vorgänger. Die Wahrheit gewinntnicht allein durch neue Entdeckungen, sondern auch durch die verschie-denen Arte» sie vorzutragen. Kostet in den Voßischen Buchlädcn 9 Gr.
(27. Jan.) Sieg des Liebesgottes. »Line Nachahmung despopischen Lockenraubes. Stralsund, Greifswald und Leipzig ,bey I. I. 'Weitbrecht. 1753. Dieses römische Heldengedicht bestehtaus vier Gesängen, und es ist schon ein sehr gutes Vornrtheil fiir denVerfasser, daß er niemand geringerm, als einem Pope nacheifert.Seine Poesie hat eine Schönheit, um die sich die wenigsten unsererjetzigen deutschen Dichter bekümmern; sie fließt mit einer reinen Lcich>tigtcit dahin, ohne daß sie von Gedanken leer ist. Mahlerey, Scherzund Satyre herrscht in allen Zeilen, und wenn der Verfasser nicht mitdem Verfasser des Renomistcn und der Verwandlungen eine Person ist,so wird er dem Leser das Urtheil sehr schwer machen, welcher von bey-den den Vorzug verdiene. Einige Zeilen aus dem Auftritte mit LcSbienund dem Dichter Cleauth, welcher von der Raserey vorzulesen besessenist, mögen zur Probe dienen.
O Schande, fuhr sie fort, in abgelegnen Sträuchen
Begegnet mir Clcanth; ich such ihm auszuweichen.
Er tritt mich schmeichelnd an, und, Himmel was geschieht ?
Nach einem apropos! liest mir Clcanth ein Lied.
Bis an den kalten Mond entfliegt in seiner Ode
Der Unsinn, dick umwölkt und scheckigt nach der Mode;
Der Henker flieg ihm nach! doch lob ich, was er schrieb:
Verfluchte Schmeichclcy, die ihn zum Feral trieb!