naturalis acquisitio. Ergo possessiva, qua huiusmodi acquiruntur, quaepertinent ad necessitatem vitae, est naturalis .“ 4
Dem Eigentumsrecht des einzelnen entspringt eine Wohltätig-keitspflicht: im Besitze besteht Privateigentum an den Gütern, imGebrauch Gemeineigentum. „Aliud quod competit homini circa resexteriores, est usus ipsarum. Et quantum ad hoc non debet hbmohabere res exteriores ut proprias sed ut communes: ut scilicet de facilialiquis eas communicet in necessitates aliorum .“ 5 *
„Bona temporalia, quae homini divinitus conferuntur, eius quidemsunt quantum ad proprietatem: sed quantum ad usum, non solumdebent esse eius, sed etiam aliorum, qui ex eis sustentari possuntex eo quod ei superfluit .“ 8
„Res quas aliqui superabundanter (was „relativ“ gedacht ist)habent, ex naturali jure debentur pauperum sustentationi .“ 7
Den wirtschaftlichen Prozeß haben die Scholastiker, gemäß denAnforderungen ihrer Zeit, vornehmlich nach drei Richtungen hinuntersucht: in bezug auf das Geldwesen, in bezug auf die Preis-bildung und in bezug auf die Kreditwirtschaft.
Sie haben demgemäß eine Lehre vom „richtigen“ Gelde aufge-stellt, und was Oresmius in seiner Predigt dargelegt hat 8 , ist nichtsanderes, als was die Summae längst enthielten. Sie haben ferner eineLehre vom „richtigen“ oder „gerechten“ Preise, dem justum pre-tium entwickelt und haben ebenso Regeln gegeben für eine richtigeKreditgewährung, indem sie den Zins teilweise verboten (fürKonsumtivkredit), teilweise erlaubten und sogar begünstigten (fürProduktivkredit). Für die scholastische Zinslehre sind vornehmlichdie obengenannten Spätscholastiker zu Rate zu ziehen, bei denen sicheine weitausgebaute Kapital- und Zinstheorie findet 9 .
4 S. Thomas, In Lib I Politicorum (sc. Aristotelis) lect. VI. An einer anderen
Stelle findet sich eine durchaus utilitaristische Begründung des Eigentums durchden H. Thomas, nämlich in der Summa th. 2 a 2 a e qu. LXVI a 2.
5 S. Thom. Summa theol. 2 a 2 a « qu. LXVI a 2.
8 S. Thom. Summa theol. 2 a aae qu. XXXII a 5 .
7 S. Thom. Summa theol. 2 a 2ae qu. LXVI a 7.
8 Oresmius (Oresme) (i320 — i382), Tractatus de origine, natura, jure etmutationibus monetae. Geschrieben vor i 364 -
9 Siehe meinen „Bourgeois“ im 19. Kapitel.