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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Man könnte sagen, daß beiden die Idee des Universalismus zu-grunde liegt. In beiden Fällen sind die einzelnen Glieder nicht jedesfür sich auf die letzten Werte und Prinzipien bezogen, wie es demmodernen Individualismus entspricht,der jedem auf eigene Weiseunmittelbaren Anteil am Sinne des Ganzen geben will, also ohneVermittlung eines Standes oder eines Amtes. Vielmehr bedarf es derVermittlung eines Ganzen, in dem die einzelnen Glieder äußerlicharchitektonisch verbunden sind und an dem sie nur in sehr abge-stufter, quantitativer Weise teilhaben 3 . Der Grundgedanke einesTotum perfectionale, Gott, das durchAusgliederung ein Teilganzesaus dem anderen entläßt und dadurch die Welt schafft, führt alsoin soziologischer Betrachtung mit Notwendigkeit zu der ständischenGliederung und damit auch zu der ständisch gegliederten Wirtschaftals derrichtigen Wirtschaft.

Die verschiedenen Berufe, in denen die dem einzelnen angemessene,wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt wird, stehen in einer verschiedenenEntfernung zu Gott : sie bauen sich in Gestalt einer Pyramide auf,worin die ständische Verfassung zutage tritt. Die Achsendrehung, dieLuther vornahm, bestand darin, daß er die Berufsidee demokrati-sierte, indem er die Notwendigkeit einer ständischen Schichtung leug-nete mid jeden Beruf gleich nahe zu Gott erklärte. Hatte Thomas dieGesellschaft im Bilde einer Pyramide gesehen, so sah sie Luther inGestalt einer Kugel, während dann Kalvin die Berufsidee völligüber Bord warf und jede Arbeit des einzelnen als Gott wohlgefälliganerkannte, sofern sie nur erfolgreich war. Das Bild, in dem er dieGesellschaft sah, läßt sich etwa in der Gestalt von Linien vorstellen,die von jedem einzelnen unmittelbar auf Gott zulaufen.

Dierichtige Wirtschaft, wie sie die Scholastiker sahen, ruht alsauf ihrer festesten Grundlage, auf dem Privateigentume, das wiefolgt naturrechtlich begründet wird:Manifestum est quod homoindiget ad suam vitam aliis animalibus et plantis. Sed natura nequedimitlit aliquid imperfectum, neque facit aliquid frustra. Ergo mani-festum est quod natura fecit animalia et plantas propter hominem.Sed quando aliquis acquirit id quod natura propter ipsum fecit, est

3 E. Tröltsch, a. a. O. S. 27QfI. Vgl. auch S. 276t.