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Tote und lebendige Wissenschaft. 2. Aufl. 1925. 3 . Auf!. 1929.
Die Hauptlehren der Volkswirtschaftslehre. 16. Aufl. 1926.
Für Spanns Gesamteinstellung zu unseren Problemen ist kenn-zeichnend der Sinnspruch, den er einem seiner Bücher voranstellt: essind die Worte Meister Eckehards: „Bemühe dich nicht um kleineDinge, denn du bist zu kleinem nicht berufen.“
Daß Spann eine „richtende“ Nationalökonomie in der Bedeutung,die ich dem Worte hier beimesse, vertritt, wird nicht geleugnetwerden können. Er erklärt ausdrücklich, daß die Wissenschaft nichtnur zu erforschen habe, was ist, sondern auch was sein soll. Er will(vor allem) die Frage beantworten „nach der wesensgemäßen, dasheißt(!) der besten Wirtschaftsgestalt“ 24 , will sagen: der „richtigen“Wirtschaft. „Der Begriff des gerechten Preises, den die indivi-dualistische Schule verspottete, muß wieder zu Ehren kommen. Erwurzelt im Begriff des richtigen Gliederbaus jeder wirtschaftlichenGanzheit, zuletzt im Begriff der richtigen Wirtschaft, und ist da-durch subjektiver Willkür entzogen.“ 25Der Weg aber, auf dem er zu diesem Erkenntnisziele gelangt, istder von der scholastischen Philosophie gewiesene; er ist in demZentralbegriflfe der Spannschen Lehre (wie der Scholastik): demUniversalismus vorgezeichnet.
Spann selbst bezeichnet seine Lehre als die „Lehre von der Ganz-heit“ und sagt, daß sie geboren sei „aus dem romantischen Drangenach dem Ganzen“. Sein Ganzheitsbegriff ist nun aber durchaus derscholastische, für ihn bedeutet, entgegen allen Lehrmeinungen derneuzeitlichen Logik, das totum universale die Gattung gegenüberihren Arten. Seine Lehre von der „Ausgliederung“ der Teilganzenträgt ebenso das Gepräge scholastischen Denkens. Vor allem ent-sprechen die soziologischen Schlußfolgerungen, die er aus seinerGanzheitslehre zieht, ganz und gar denen der scholastischen Sozio-logen und Nationalökonomen. Für Spann ist die „wesensmäßige“,„die einzig wahrhaft wirkliche (!) Wirtschaftsform“ „die ständischgebundene Wirtschaft“. Von den vier Wirtschaftsformen, die er auf-