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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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dankengängen angepaßt hat. Originell ist er nicht. Seine Lehreist folgende:Die Wissenschaft des Naturrechts (hat) die letzten,in der Natur des Menschen (ein Begriff, gegen den Kant mitRecht die lebhaftesten Bedenken äußert) beruhenden und von derVernunft begriffenen Gründe des Rechts darzulegen. Es gilt zu er-forschen:die Art und Weise, wie die Gesellschaft in bester Über-einstimmung mit den Bedürfnissen der menschlichen Natur zuorganisieren sei... Noch fühlbarer trat das Bedürfnis eines halt-und unwandelbaren Prinzips der Einheit hervor, das als eine festeRichtschnur, als ein Kriterium dienen möchte, Avonach die Verrich-tungen und Verhältnisse der gesellschaftlichen Ordnung zu würdigenwären. Auf diesem Wege hat die Idee der Gerechtigkeit (!) sichals gesellschaftliches Prinzip entwickelt . 48Diese Ideen sind in demSinne angeboren, daß sie ursprünglich in jedem Geiste vorhandensind, dessen Vernunftcharakter sie dokumentieren . 49 Die Grundzügederrichtigen Gesellschaftsordnung sind folgende:Gleichheit,Freiheit und Geselligkeit (zeigen sich) als die drei Grundwesenheitender menschlichen Persönlichkeit, und auf sie gründen sich die ent-sprechenden Rechte der Freiheit, Gleichheit und Assoziation. DieGleichheit charakterisiert den Menschen als Glied einer und derselbenmenschlichen Familie. Sie ist die Folge der Grundeinheit im Wesenaller Menschen. Die Freiheit bestimmt für den Menschen eine per-sönliche Sphäre der Tätigkeit, sie charakterisiert ihn als selbständigesimd für sich handelndes Individuum. Die Geselligkeit endlich stiftetvon neuem einen Bund unter allen Individuen, welche, Avenn dieindividuelle Freiheit das einzige Prinzip der Tätigkeit Avürde, ge-trennt blieben . 60

Dierichtige Gesellschaft erkennt ferner an:

i. das Eigentum:Das Eigentum hat denselben letzten GrundAvie das Recht, es folgt aus den Bedürfnissen des Menschen,

48 H. Ahrens, Das Naturrecht oder die Rechtsphilosophie. Deutsch 18/16.S. 3 f. Das Buch wurde oft aufgelegt. Die 6. (letzte) Auflage stammt aus demJahre 1870/71.

49 II. Ahrens, a. a. 0 . S. 55 .

60 II. Ahrens, a. a. 0 . S. 228.

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