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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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sondern stellt nichts anderes als eine Spiegelung der zufälligen histo-rischen Gesellschaft dar, in der er lebte, an der er nur einige seinempersönlichen Ideal entsprechende Korrekturen vornimmt.

Wenn es aber selbst dem gewaltigen Geiste Kants nicht gelungenist, einerichtige Wirtschaft (und Gesellschaft überhaupt)evi-dent zu machen, das heißt also, wie wir nun hoffentlich begriffenhaben, eindeutig zu bestimmen, so wird die Unausführbarkeitdieses Unterfangens wohl in der Sache selbst begründet sein. In derTat ist dem so. Nicht als ob es keine a prioris der Wirtschaft gäbe. Ichwerde ihrer selbst eine Menge namhaft machen. Aber sie betreffenimmer nur die Form oder wenn man will: einzelne Bestandteileder Wirtschaft: in aller Wirtschaft ist Wirtschaftsgesinnung, Ordnung,Technik; in aller Wirtschaft sind Sachgüter; es gibt nur zweiPro-duktionsfaktoren; alle Wirtschaft erfolgt in Betrieben usw. Dassind echte a prioris. Aber sie beziehen sich nie auf das Ganze einesWirtschaftssystems. Diesem haftet stets empirischer Stoff an.

Das bisherige Ergebnis unserer Untersuchung ist also dieses: dierichtige Wirtschaft ist weder zu finden mit Hilfe des Erfahrungs-wissens, noch mit Hilfe des Evidenzwissens. Führt darum aber über-haupt kein Erkenntnisweg zu ihr? Doch.

3. Wie ist richtende Nationalökonomie möglich ?

Ist dierichtige Wirtschaft überhaupt zu finden mit Hilfe irgend-einer Erkenntnis? Ist sie überhaupt einErkenntnisproblem? Umdiese Fragen, zu beantworten, müssen wir uns noch einmal zuvölliger Klarheit bringen, daß das Problem derrichtigen Wirt-schaft und somit der Aufgabenkreis der richtenden Nationalökonomieaus drei Bestandteilen besteht, sofern es sich handelt:

x. um die Einsicht in die letzten Werte;

2 . um die Erkenntnis der richtigen Mittel zur Verwirklichungder Zwecke;

3. um den Appell an den Willen, das Richtige zu tun.

Der 3. Punkt enthält überhaupt kein Erkenntnisproblem undscheidet aus; der 2 . Punkt ist zwar ein Erkenntnisproblem, gehörtaber in die Kunstlehre (Technologie) und scheidet ebenfalls aus;