das Gesagte natürlich für diejenigen Werturteile, die in historischgeoffenbarten Religionen, also im Bereiche der katholischen Religionin der lex divina positiva, ihre Wurzeln haben. Die „Wahrheit“ gött-licher Offenbarungen mit Verstandskategorien beweisen wollen, istVermessenheit. Die Dogmatik, zu deren Bereich die Erörterung derreligiösen Wahrheiten und somit auch der religiös verankerten Wertegehört, ist ebenso wissenschafts-transzendent wie die Metaphysik.
In der meist sehr oberflächlich geführten Erörterung über „Wert-urteile“ in der Nationalökonomie, deren Berechtigung, ich wieder-hole es, ich einstweilen gar nicht prüfen will, sollte nun wenig-stens diese Einsicht nicht länger unbeachtet bleiben: daß Werte unddamit auch Urteile über Werte außerhalb des Bereichs desErfahrungswissens und des Evidenzwissens liegen, viel-mehr der Sphäre philosophischer (oder religiöser) Erkennt-nis angehören.
Damit ist aber auch der Artcharakter der richtenden National-ökonomie bestimmt: es handelt sich bei ihr nicht um Wissenschaft,sondern um Metaphysik (die eigene des Autors oder eine erborgte),wenn nicht gar um Religion. Worauf es mir in diesem ganzen Ab-schnitt ankam, ist die scharfe Herausstellung dieser Eigenart derrichtenden Nationalökonomie. Im Interesse gedanklicher Sauberkeitmüssen wir endlich diese „untreue Vermischung“ zweier völlig von-einander verschiedenen Erkenntnisweisen aufgeben. Was jetzt nochso häufig in unseren nationalökonomischen Lehrbüchern und so-genannten Systemen geboten wird, ist eine unerträgliche Durchein-andermanschung artverschiedener Dinge, ist eine unleidliche Stil-mischung, wie wir sie in dem Salon eines Parvenüs anzutreffen ge-wohnt sind.
Um wie verschiedene Dinge es sich bei Metaphysik und Wissen-schaft handelt, werden wir erst ganz einzusehen vermögen, wenn wirnun im folgenden die Denkweise der wissenschaftlichen National-ökonomie kennenlernen.