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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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schaft, es gibt nur eine Philosophie der Werte, weil diese im Tran-szendenten gründen.Der eigentliche Sitz aller Wert-aprioris ist dieim Fühlen, Vorziehen, in letzter Linie in Lieben und Hassen sich auf-bauende Werteerkenntnis resp. Werteerscheinung. Diese Erkenntniserfolgt in spezifischen Funktionen und Akten, die von allem Wahr-nehmen und Denken toto coelo verschieden sind und den einzig mög-lichen Zugang zur Welt der Werte bilden . 87 Werte sindUrphäno-mene, und solche sind, soweit ihr Dasein noch erklärlich ist, nurmetaphysisch erklärbar, das heißt mit Heranziehung desjenigen realSeienden und seiner Ordnung, das in keiner direkten-oder indirektenVerknüpfung mehr mit unserer realen psychophysischen Organisationsteht 88 .

Für alleWerturteile gilt also, was wir an der philosophischenErkenntnis überhaupt als das Wesentliche feststellen konnten: sieenthalten persongebundene,relativ wahre Erkenntnis, die manniemals dem anderen verstandesmäßig aufzwingen kann. Wertewerden geschaut von begnadeten Menschen und werden geglaubt vondenen, die gleichen Sinnes sind. Werte werden völlig irrationalvon Mensch zu Mensch übertragen, kraft der unerforschlichen Machtder Persönlichkeit. An die Stelle des Beweises tritt die Liebe, ausder Liebe aber erwächst die Nachfolge. Für Werte lebt man, fürWerte stirbt man, wenn es notwendig ist. Werte aber beweist mannicht. Welchen Sinn hätte es, für etwas, das man alsrichtigbe-weisen kann, zu sterben? Es ist nichts anderes als ein altes Vorurteilder rationalistischen Scholastik und der Aufklärung, das unserewertenden Nationalökonomen noch immer milschleppen. DieRichtigkeit der Werte beweisen, das heißt sie in den engen Umkreisder Verstandeserkenntnis herabziehen, heißt, Werturteile verwissen-schaftlichen wollen. Werte gründen aber in einer viel größeren Tiefe,als der, in die das Senkblei der Wissenschaft hinabreicht.

Ich habe mich in meinen Ausführungen auf den Nachweis desaußerwissenschaftlichen Charakters aller Werturteile beschränkt, so-weit sie metaphysisch begründet werden. In gesteigertem Maße gilt

87 JVI. Schelcr, Ethik (1916), S. 64 .

88 M. Scheler, Sympathiegefühle. 2. Aull . 1926. S. 6/i.

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