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es geschehen, daß wegen der unendlichen Menge der einfachen Sub-stanzen (Monaden) es ebenso verschiedene Welten zu geben scheint,die genauer besehen, nichts anderes sind, als die verschiedenen An-sichten der einzigen, von den verschiedenen Standpunkten der Mo-naden angesehenen Welt.“
Dieser Relativismus des philosophischen Wissens steht hi not-wendiger Wechselbeziehung zu der Absolutheit des Erkenntnisgegen-standes. Eine oberflächliche Betrachtung verwechselt häufig die hieraufgezeigte Relativierung der Erkenntnis mit der Relativierung derWelt. Diese beiden Begriffe sind nicht nur nicht dieselben: sieschließen einander vielmehr aus. Kein echter Philosoph, sahen wir,zweifelt an der Objektivität der transzendenten Welt und ihrer In-halte. Und gerade darum ist er sich der Relativität seiner Erkennt-nisse bewußt und weiß, daß er nur Teilausschnitte erfaßt, die erstin ihrer Gesamtheit am Ende der Tage die Gesamterkenntuis desAbsoluten ergeben werden. Es ist ein sehr großer Irrtum, wenn man,wie Dilthey es tut, der Philosophie wesensmäßig den Anspruch aufAllgemeingültigkeit erachtet. Der einzelne Philosoph mag sie erheben.Aber dann irrt auch er. Im Wesen der Philosophie hegt dieser An-spruch ganz und gar nicht, kann er nicht hegen, dank der Person-gebundenheit ihrer Erkenntnis, die, wie wir sahen, ihr das Geprägegibt.
Hier, in der Metaphysik, sind wir nun aber offenbar auf den Er-kenntnisweg gestoßen, auf dem die Vertreter der richtenden National-ökonomie wandeln, während sie selbst glauben, ganz woanders zusein: sie wähnten, Wissenschaft zu treiben und trieben Metaphysik.Sie suchten die „richtige“ Wirtschaft, während sie die „beste“ fanden.Sie fanden sie, indem sie einen Bezirk des Absoluten erschlossen:letzte Werte. Daß diese selbst objektiv gültig und von keiner Sub-jektivität in ihrem Bestände bedroht seien, wollen wir als fest-stehend annehmen. Werte, so hat es der Cusaner in einem demütigenBilde ausgedrückt? 6 , sind Goldmünzen, die Gott als „Münzmeister“ausprägt und die unser Verstand nur betrachtet, gegeneinander um-setzt und abwägt. Von diesen Werten gibt es aber keine Wissen-
86 Zitiert bei E. Cassircr, Das Erkenntnisproblem i 2 (1911), S. 58 .