89
Philosophie, Kunst usw,: die Wissenschaft. Aber die Vernunft er-kennt auch keine weltliche „Autorität“ außer sich an: Aristoteles fällt. Man hat mit Recht den Anbruch der neuen Zeit an das Wortdes Campanejlla angeknüpft: „Alles, was Aristoteles sagt, istfalsch.“
Und verweltlicht wird der Zweck des Wissens. Dieser war inaller frommen Zeit kein anderer gewesen als der: Gott zu dienen,Gottes Größe und Güte in der Ordnung der Dinge zu erkennen.Nun wollte man erkennen um irdischer Werte willen. Diese Wertesind zweifacher Art: theoretische und praktische. Das theoretischeInteresse des Wissenschaftlers begründet seine Freude an der Wirk-lichkeit, an der bunten Mannigfaltigkeit der Welt als solcher. Esführt zu dem Wissen, das S cheler Bildungswissen genannt hat, unddas gewiß einen wesentlichen Bestandteil der modernen Wissenschaftausmacht. Daneben aber — manche sagen übertreibend: ausschließ-lich — ist diese unzweifelhaft entwickelt worden aus einem prak-tischen Interesse, aus dem Wunsche heraus, zu herrschen, wieNietzsche es ausdrückt: aus dem Willen zur Macht, den er auchund gerade in der Wissenschaft lebendig sieht, weshalb er (zeit-weilig!) dieser seine leidenschaftliche Liebe zugewandt hat. DasWissen soll dazu dienen, Herrschaft auszuüben: sei es über die Natur,sei es über die Handlungen der Menschen, über die Gesellschaft.Dieses Wissen, das einem praktischen Ziele zugewandt ist, können wirmit Scheler das Arbeits- oder Leistungswissen nennen.
Kennzeichnend für diese neue szientifische Geisteshaltung ist dieAuffassung der beiden ersten, neuzeitlichen „Philosophen“ Baconund Descartes. Der pragmatistische Zug tritt besonders deutlichbei dem nüchternen Bacon hervor, der „die Weisheit der Griechen“„eine Professorenweisheit“ nennt und ihr zum Vorwurf macht,daß aus ihr „aus einem Zeitraum von so vielen Jahren kaumein Versuch beigebracht werden (könne), der sich auf die Erleichte-rung und Verbesserung des Zustandes der Menschen bezieht“ 1 . Aberauch der weniger banausische Descartes verachtet doch wie Bacon die alte „spekulative Philosophie“, auch er will doch mit seiner