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zweier Erkenntnisweisen halten: des Erfahrungswissens, dessen Merk-mal bestimmt ist, und des Evidenzwissens in dem Sinne, den ich demWorte oben gegeben habe. Wie sie verfährt, um diese Grenzen inne-zuhalten, werden wir im nächsten Kapitel einzusehen Gelegenheithaben.
Daß übrigens Allgemeingültigkeit nicht mit Allgemeinverständlich-keit zu verwechseln ist, versteht sich. Einsteins Theorie ist gewißnicht allgemeinverständlich, aber sie beansprucht doch Allgemein-gültigkeit: sie wendet sich „an alle“.
Ein Wort mag noch der Namengebung dieser neuen Geistes-haltung, der wissenschaftlichen, gewidmet werden. Daß man vonFachwissenschaften mit Recht spricht, stellte ich schon fest. Zu Un-recht dagegen bezeichnet man die Wissenschaft als „positive“ zumUnterschiede dann von der Philosophie. Wir müssen aber Wissenschaftschlechthin ohne Beiwort in Gegensatz zur Philosophie stellen, die ebenkeine Wissenschaft ist Positive Wissenschaft ist ein Pleonasmus:jede Wissenschaft ist positiv, die Positivität gehört zum Wesen derWissenschaft. Jede Wissenschaft ist positiv, wie sie rational, apolli-nisch, klassisch ist. Eine irrationale, dionysische, romantische Wissen-schaft ist ein Widerspruch im Beiwort. Unterscheiden kann man nurFormal- und Real- oder Erfahrungswissenschaften. Wie diese, die unshier allein angehen, sich weiter gliedern, werden wir noch sehen.
3‘ Die Entstehung einer selbständigen Nationalökonomie
Unter den „Fachwissenschaften“, die mit der neuen Zeit an dieOberfläche kamen, befand sich nun auch, wie wir schon feststellenkonnten, die Wissenschaft vom Wirtschaftsleben, die Nationalöko-nomie.
Die Gründe ihrer Entstehung liegen zutage. Sie sind zunächstgegeben durch die allgemeine, geistige Lage, die wir soeben kennen-gelemt haben. Der große Verweltlichungsprozeß, den die europäischeMenschheit durchmacht, mußte auch in entschiedener Weise dieStellung zum Wirtschaftsleben ändern: die materiellen Dinge wurdenimmer höher gewertet und damit wuchs natürlich das Interesse anden Fragen der Reichtumsbeschaffung.
Dazu kam nun eine Reihe von Gründen, die in der Zeitlage selbst
Somhart, Die drei Nationalökonomien 7