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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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theorie eine physikalische Größe, die in gewissem Sinne die physikali-schen Prozesse als solche mißt; es ist die sogenannte Wirkung einesProzesses, die durch Multiplikation von Energiebeträgen mit Zeit-beträgen erhalten wird . 10

Der Vorgang der Elementarisierung wird auf seinen erkenntnis-theoretischen Inhalt richtig wie folgt gekennzeichnet: Einen Gegen-stand erkennen, das heißt ihnerklären, bedeutet in der Natur-wissenschaftseineRückführung auf etwas anderes:Dies geschiehtstets so, daß in der fraglichen Naturerscheinung die gleichenEigenschaften oder Merkmale entdeckt werden, die man auch ananderen Erscheinungen wiederfindet; beide erscheinen jetzt nichtmehr als etwas Verschiedenes, sondern die eine darf als besondererFall der anderen aufgefaßt werden und wird eben hierdurchauf diese zurückgeführt. Beispiele sind: die Zurückführung desLichtes auf elektrische Wellen, der chemischen Vorgänge auf elek-trische Vorgänge, des Schalls auf elektrische Schwingungen usf.Zujeder Erkenntnis bedarf es also durchaus der Kenntnis einer all-gemeinen (höheren, oberen, umfassenderen) Klasse, die als ,Er-klärungsprinzip dient. Es folgt hieraus, daß es in jedem Stadium derErkenntnis, soweit sie auch dringen mag, stets letzte Prinzipien gibt,die selbst nicht mehr erklärt werden können, sondern allerErkenntnis zugrunde liegen . * 11

Die Elementarisierung der Erscheinungen ist nicht Selbstzweck,sondern nur Mittel zum Zweck einer anderen Vornahme, nämlich

2. der Quantifizierung. Diese ist ein heiß ersehntes Ziel allerNaturerkenntnis, deren Grundsatz im Gegensatz zu aller echtenPhilosophie von Aristoteles an es geworden ist,daß ein Er-kenn tniszusammenhang in der wirklichen Welt nur gefunden werdenkann, soweit qualitative Bestimmungen auf quantitative zurück-geführt werden 12 .

Auf Quantifizierung ist die Naturwissenschaft ausgegangen, seit siebesteht. Schon Demokrit strebt ihr zu. Kepler meint, daß das

10 A. E. Haas, Das Naturbild der modernen Physik. 2. Aull. 1924. S. Ö2.

11 M. Schlick, a. a. O. S. 4 oof.

12 Herrn. Weyl, Philosophie der Mathematik und Naturwissenschaften imHandbuch der Philosophie 2 (1927), A, too.