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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Die Gestalten sind infolgedessen auch mathematisierbar. Ja, die Ver-treter derGestaltlheorie legen besonders Wert darauf, zu betonen,daß ihre Betrachtungsweise die Malhematisierbarkeit der Natur-erscheinungen sogar steigere.Gestalten sind nach der MeinungKöhlers überall dort (und nur dort?), woin der Physik dietheoretischen Aufgaben auf partielle Differentialgleichungen, aufIntegralgleichungen und auf Systeme simultaner algebraischer Glei-chungen führen u .

Während der Strukturbegriff als Ordnungsprinzip in den Natur-wissenschaften erst seit einem Menschenalter allgemeinere Geltungsich zu verschaffen beginnt, ist ein anderer Allgemeinbegriff von jeherin Übung gewesen und kann als das wichtigste Ordnungsprinzip dermodernen Naturwissenschaften angesehen werden, das ist

3. der Gesetzesbegriff. Mit seiner Hilfe will der Forscher dieErscheinungen in der Natur in der Zeit ordnen, indem er Formelnaufstellt für die im Ablauf der Naturprozesse beobachteten Regel-mäßigkeiten. Es handelt sich bei den Gesetzen also immer nur umRegelmäßigkeiten der Sukzession, nicht der Koexistenz; denn nachMeinung des modernen Naturforschers sindletzte Elemente desUniversums nicht Dinge, sondern Vorgänge. Da es sich bei denbeobachteten Erscheinungen nur noch um Größen handelt, so sindalle Naturvorgänge Bewegungen: so hatte es Galilei verkündet, derzuerst die Bewegung zum Gegenstände der Untersuchung machte undnicht die Dinge, und dabei ist es bis heute geblieben. Das Naturgesetzist eineRegel zeitlicher Aufeinanderfolge von Bewegungen als Aus-druck der Metamorphose eines seinem Wesen nach ewig Gleichen.Der Bereich, innerhalb dessen man diese Regelmäßigkeiten der Be-wegung feststellt, heißt dasKraftfeld.

Die Ordnung erfolgt nun in der Weise, daß man die beobachtetenTatsachen innerhalb eines Kraftfeldesfunktionalisiert, das heißtin Beziehung setzt [v = / (x, y, z ...)] und in den Bewegungen dieserVeränderlichen die Konstanz gewisser Kombinationen während einesNaturvorganges feststellt, die sich beobachten läßt, obwohl dieGrößen selber im Laufe des Vorgangs sich ändern. Da man dieBeziehungen in unendlich kleinen räumlichen und zeitlichen Ab-

14 W. Köhler, Die physikalischen Gestalten. 1926. S. ii^.