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Formelgruppcn, aus denen man für die meisten der physikalischenGebiete beherrschende Gleichungssysteme ableiten kann .“ 13
Die Malhematisierung verfolgt ein doppeltes Ziel: sie soll dazudienen, die rechnerischen Feststellungen genauer zu machen; „exakt“heißt: in mathematischen Formeln darstellbar; und sie soll die obersteForderung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis erfüllen helfen:sie soll diese allgemeingültig machen. Wer nach Allgemeingültigkeitstrebt, strebt vor allem nach Mathematik. Siehe Kant!
Die solcherweise gewonnenen, meßbar und berechenbar gemachten„einfachen“ Tatsachen müssen nun geordnet werden. Das ge-schieht durch Anwendung einer Reihe rationaler, rein formaler Ord-nungsprinzipien. Solche Ordnungsprinzipien sind:
1. die Allgemeinbegriffe im Sinne von Zusammenfassungender konstanten Merkmale eines Dings und durch Abstraktion ge-wonnen. Diese naturwissenschaftlichen Allgemeinbegriife tragenstreng nominalistisches Gepräge. Besondere Arten von Allgemein-begriffen sind
2. der Strukturbegriff, mit dessen Hilfe die Erscheinungenräumlich zu bestimmten „Gestalten“ angeordnet werden bzw. alsGestalten erscheinen. Mit diesem Strukturbegriff arbeitet die Minera-logie seit jeher, die Chemie seit der Aufstellung der Strukturformelndurch Kekule, während er in die Physik durch die neuen Unter-suchungen von Köhler, Wertheimer u. a. einzudringen beginnt.
Man muß sich davor hüten, diese „Gestalten“ mit „Ganzheiten“zu verwechseln. Ganzheiten sind sie natülich nicht, da sie auch nurdie quantitative Seite der Erscheinungen in Rücksicht ziehen. Köhlernennt seine Formeln „Beziehungen zwischen physischen Größen“.
13 II. Dingler, Zusammenbruch der Wissenschaft. 1926. S. 47f• Vgl. auchdesselben Verfassers mathematische Spezialschriften. Über den beherrschenden Ein-fluß der Mathematik auf das Denken des 17. und 18. Jahrhunderts unterrichten:Alfr. Heubaum, Geschichte des deutschen Bildungswesens 1 (igo5), 193fF.;Vaihinger in seinem Kant-Kommentar 1, S. 24off.; P. Menzer, Kants Lehrevon der Entwicklung, 1911, S. 21/ifl.; E. Cassirer, a. a. 0. s. h. v.; Th. Su-ranyi-Unger, a. a. 0. 1, 253; 2, 243ff., 2Ö2ff. Vgl. auch noch die lehrreicheAbhandlung von Ewald Schams, Zur Geschichte und Beurteilung der exaktenDenkformen in den Sozialwissenschaften in der „Zeitschrift für die gesamten Staats-wissenschaften“. Band 85. 1928. Heft 3 und die dort angeführte neuere Literatur.