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gemeingültigen Gesetze des geistigen Lebens“, die also aus den psy-chologischen Elementargesetzen, die den „Prinzipien der Mechanik“entsprechen, abgeleitet sind, sind aber durchaus nach Art der Natur-gesetze gebildete Formeln, in denen menschliches Verhalten reinäußerlich geordnet wird. Es sind, wie bekannt, i. das Gesetz dersozialen Resultanten; 2 . das Gesetz der sozialen Relationen; 3. dasGesetz der sozialen Kontraste: das erste „Gesetz“ entspricht den che-mischen, das zweite und das dritte entsprechen den mechanischenGesetzen 20 .
Da Wundt mit Vorliebe die Reispiele für seine „Gesetze“ aus demGebiete der Nationalökonomie nimmt, so werden wir deren natur-wissenschaftliches Gepräge noch kennenlernen, wenn wir im folgen-den Kapitel die Anwendung der naturwissenschaftlichen Denkweiseauf unsere Wissenschaft untersuchen werden. Einstweilen müssenwir uns erst Rechenschaft geben über den Erkenntniswert, den dennnun diese naturwissenschaftliche Art, die Welt zu betrachten, besitzt.
3 . Der Erkenntniswert des naturwissenschaftlichen Denkens
Die Erkenntnis, wie sie die moderne Naturwissenschaft betreibt,'ist ein äußerliches „Begreifen“ der Dinge, ist Erkenntnis „vonaußen“, ist „Teilerkenntnis“, wie man es auch genannt hat, das heißt:sie bedeutet eine Beschränkung auf das eine Merkmal: Größe. Indemdie Naturwissenschaft eine Messung, eine Zahl für Eigenschaftender Erscheinungen ausgibt, hat sie eine formale, einseitige Beziehungan die Stelle des mannigfaltigen Ganzen gesetzt.
Wir können auch sagen: die Naturwissenschaft verzichtetauf Wesenserkenntnis, müssen dabei aber einen richtigen Begriffvom „Wesen“ eines Dinges haben. Es geht nicht an, wie es Köhlertut 21 , das „Strukturgesetz“ ein „Wesensgesetz“ zu nennen, wenn mangleichzeitig das Strukturgesetz als „Beziehungen zwischen physischenGrößen“, also einem Äußeren, einem Teil bezeichnet. Es geht eben-sowenig an, zu sagen, „daß es das Wesen des materiellen Dinges sei,res extensa zu sein“, wie wir es bei Husserl lesen 22 , da ja auch die