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Eigenschaft der Ausdehnung eine von vielen und also nur der Teileines Dinges ist. (Höchstens könnte man sagen: Ausdehnung gehörezum Wesen des materiellen Dinges.) Wir werden vielmehr unter demWesen eines Dinges immer seine Totalität verstehen müssen undQualität, Grund, Zweck nicht aus dem Begriffe ausschließen dürfen.Vor allem aber werden wir die Wesenheit immer mit dem Anspruchder Notwendigkeit ausstatten müssen. Und können das Wesen vielleichtmit Sigwart bestimmen als „die Einheit eines Dinges, sofern siefür sich die Notwendigkeit gewisser Eigenschaften enthält“, als „denbeharrlich zeitlosen Grund der jeweiligen zeitlichen Wirklichkeiteines Dinges“ 23 . Diese Begriffsbestimmung ist der Hegelschen nach-gebildet, der zufolge „Wesen ... das vorhergegangene, aber zeitloseSein“ ist (bekanntlich bringt Hegel „Wesen“ und „gewesen“ ineinen inneren Zusammenhang).
Ohne metaphysischen Zusatz läßt sich der Sachverhalt wie folgtumschreiben: Die Bestimmung des Wesens eines Dinges muß voll-ständig und eindeutig sein. Wesen ist notwendiges So-Sein.Es wird begründet durch den Zusammenhang, den das Ding bildet,und durch den Zusammenhang, in dem es steht. Wir können jeneneinen Strukturzusammenhang, diesen einen Beziehungszusammen-hang nennen; jener gibt Antwort auf die Fragen: was? und wie?,dieser auf die Fragen: woher? wohin? warum? wozu? Der Struktur-zusammenhang bedeutet die Zurückführung der einzelnen Bestand-teile (Merkmale) eines Gegenstandes auf einen einheitlichen geistigenMittelpunkt (Kern), der Beziehungszusammenhang die Eingliederungdes Gegenstandes in ein größeres „Ganze“.
Fassen wir so den Begriff des Wesens, so wird es bei der obigenFeststellung: daß die Naturwissenschaft auf Wesenserkenntnis ver-zichtet, sein Bewenden haben können. Sie will nicht erkennen diemannigfachen Eigenschaften der Dinge, nicht den Grund ihres Da-seins und Soseins, nicht ihre Bestimmung, und ihre Erkenntnisseerheben nicht den Anspruch der Notwendigkeit Dieser Verzicht aufNotwendigkeit und das Sichhegnügen mit einer mehr oder wenigergroßen Wahrscheinlichkeit ihrer Forschungsergebnisse ist ein be-
23 Sigwart, Logik, i 4 , S. aögf.
Sorabart, Die drei Nationalökonomien $