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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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trägt. Daß man nie recht einsehen konnte, was es eigentlich mitdiesem Werthegriff auf sich habe, den jederTheoretiker vonseinem Vorgänger übernahm wie einen in einer geheimnisvollenTruhe verborgenen Schatz, ist bekannt, bis man eines schönen Tagesdie Truhe öffnete und sie leer fand und begriff: dieser mysteriöseWert sei nichts anderes gewesen als das große X, das die Natur-forscher dort gemacht hatten, wo sie das Bedürfnis empfanden, imWechsel der Erscheinungen etwas Verharrendes anzunehmen und dassie mit dem pompösen WorteSubstanz, das bessere Zeiten gesehenhatte, belegten, bis mutige Leute kamen und erklärten: da ist ja garnichts drin: der Kaiser hat ja gar nichts an. Diese mutigen Leutesind unter den Naturforschern, wie wir feststellen konnten, seit langemaufgetreten. Unter den ordnenden Nationalökonomen erschienen siein Gestalt der Relationisten. Pareto vor allem ist es gewesen, dernicht Spott genug hat auf bringen können, um dieFarce des Wert-begriffs als solche zu verhöhnen.So wie man heute die Mechanikder Himmelskörper nicht mehr studieren kann in den Werken desPtolemäus oder Keplers, so kann man die Nationalökonomie nichtmehr studieren mit Hilfe des verschwommenen Wertbegriffs . 64 DaßPareto mit dieser Abstreifung des Wertdogmas nichts anderes tat,als die naturwissenschaftliche Methode der Nationalökonomie zu Endedenken, wie wir noch genauer sehen werden, ist dasjenige, was unsan diesem Familienzwist im Schoße der ordnenden Nationalökonomievor allem interessiert.

64 V. Pareto, Traite de Sociologie. S io/(. Vgl. idem, Manuel dEconomiepolitique. III, 29, 3o, 35, 36. Daß die Literatur über denWertbegriff,mit dem sich jetzt auch die Philosophie abquält, ins Uferlose angeschwollen ist,wußte man bereits. Erst jetzt aber, nachdem eine fleißige Zusammenstellung dereinschlägigen Schriften angefertigt ist, üherblickt man mit wahrem Schrecken dieriesenhafte Ausdehnung des Überschwemmungsgebietes. Wir erfahren von 661Schriften über den Wertbegriff allein in der deutschen Literatur. Siehe Joh. ErichHeyde, Gesamtbibliographie des Wertbegriffs. I. Teil. Deutsche Literatur; in denvon Arthur Hoffmann-Erfurt herausgegebenen Literarischen Berichten ausdem Gebiete der Philosophie. Heft i 5 / i 6 , 17/18. 1928. Die Übersicht ist keines-wegs vollständig, da sie im wesentlichen nur Schriften enthält, die ausdrücklichvom Wert handeln. Unter denjenigen Schriften, die den nalionalökonomischenWert betreffen, kenne ich nur drei von Wert; es sind diejenigen, die nach demWert des Wertes gefragt haben.

Sombart, Die drei Nationalökonomien 9