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Verlauf unserer Untersuchungen sich ergeben wird: siehe namentlichdas 17. Kapitel.
Wohin die falsche Gegenüberstellung von nomothetischer undidiographischer Forschungsweise als oberster Unterscheidungsmerk-male der Wissenschaften führt, zeigen uns die unliebsamen Folge-rungen, die man daraus bereits gezogen hat. Ein Forscher, der offen-bar Droysen nicht gekannt hat und Windelband-Rickert nichtkennen konnte, weil er lange Zeit vor dem Erscheinen ihrer Werkeganz genau denselben Gegensatz aufgestellt hat wie sie: CarlMenger hat nämlich gerade mit jener Einteilung der Wissenschaftendie naturwissenschaftliche (nomothetische) Betrachtungsweise in denKulturwissenschaften als zulässig, ja notwendig erweisen wollen. Unddas, von seinem Standpunkt aus, mit vollem Recht. Denn wenn esnur die Wahl zwischen Nomothesis und Idiographie gibt und mandie Nationalökonomie, der seine Sorge galt, nicht der „Idiographie“völlig ausliefern will, so bleibt keine andere Möglichkeit als die:sie nach der nomothetischen Methode aufzubauen.
Auf der anderen Seite verführt die fragliche Antithese dazu, einemunwissenschaftlichen Deskriptivismus, ja Irrationalismus sich zu er-geben. Es bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man nur dieWald zwischen naturwissenschaftlicher Methode und Beschreibung hatund nun — umgekehrt — sich dagegen auflehnt, die Geistwissen-schaft, die man betreibt, in Abhängigkeit vom naturwissenschaftlichenDenken zu bringen. Dieser Verführung sind in der Nationalökonomiezahlreiche Vertreter der historischen Schule erlegen. Der „historischeSinn“, den sie pflegen wollten und der sich in der „Liebe zum Indi-viduellen“, im „positiven Verständnis für die Welt in ihrer Mannig-faltigkeit und Buntheit“ äußert, ist bei Lichte besehen unwissenschaft-licher Sinn. Denn Wissenschaft bedeutet eben immer doch ein „Herein-reißen des Besonderen in die allgemeinen Kategorien“, wie es Goethebezeichnet hat, und selbst Empirie, das ist Geschichtsschreibung, istwissenschaftlich ohne diese allgemeinen Kategorien nicht zu treiben.Dieser unwissenschaftliche Historismus ist wohl ein Erbe der Ro-mantik, aus deren Irrationalismus er entsprungen ist. „Der roman-tische Irrationalismus (wird) zur feinfühligen Empirie, in der All-