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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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gemeines uud Besonderes sich für die Anschauung und nicht denBegriff möglichst durchdrungen zeigen. 59

Wir aber, die wir Geistwissenschaft treiben wollen, müssen hin-durchzusteuem versuchen zwischen der naturwissenschaftlichen(nomothetischen) Denkweise, die dem Geist nicht gerecht wird undallem Historismus , Deskriptivismus, Irrationalismus, Romantizismus,die sämtlich unserem wissenschaftlichen Bedürfnis nicht Genügetun.

Welchen Kurs wir halten müssen, um Szylla und Charybdisgleicherweise zu vermeiden, werden die folgenden Kapitel zeigen.

Leicht läßt sich

3. der Teleologismiis als Abweg nach weisen, der vom Ziel einersinnvoll aufgebauten Geistwissenschaft abführt. Auf ihn sind manchegeraten, die den Spuren Rudolf Stammlers gefolgt sind. Vielleichthegt hier nur ein Mißverständnis vor.

Der sehr richtige und sehr wichtige Grundgedanke des Stammler-schen Buches, das ich oben schon als eines der bahnbrechenden Werkeder neuen geistwissenschafllichen Richtung rühmend hervorgehobenhabe, ist der: daß alles menschliche Tun in der Gesellschaft auf einerOrdnung beruht, das heißt also geregeltes Tun ist. Daß es un-zweckmäßig ist, wie es Stammler will, allenInhalt des Gesell-schaftslebens alsWirtschaft zu bezeichnen, daß es sich vielmehrempfiehlt, die Sphäre derWirtschaft als besonderen Bereich ab-zugrenzen, sagte ich schon. (Siehe oben S. 6.)

Aber das steht hier nicht in Frage, wo es sich vielmehr darumhandelt, die Folgerung abzulehnen, die Stammler aus seiner Grund-these für die Wahl der Forschungsweise in den Kulturwissenschaftenzieht. Diese könne nämlich, so meint er, niemals diekausale, son-dern müsse dieteleologische sein. Das heißt: der Gesellschafls-forscher, etwa der Nationalökonom, könne die Erscheinungen niemalsunter der Kategorie von Ursache Wirkung, sondern immer nurunter der von Mittel Zweck ordnen. Er begründet seine Ansichteben mit dem Hinweis auf dieGeordnetheit des menschlichenHandelns. Dieses unterstehe also stets einer bestimmten Ordnung,

59 E. Tröltsch, Ges. Schriften. 3 , 290.