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jede Ordnung aber sei auf ein Ziel gerichtet, dieses wieder auf einhöheres Ziel und so fort, bis wir an einem höchsten Ziel anlangen,das nach der Meinung Stammlers „die Gesellschaft frei wollenderMenschen ist“. Soweit es sich dabei, was die Nationalökonomie be-trifft, um richtende, das heißt metaphysische Nationalökonomie han-delt, habe ich mein Urteil bereits abgegeben (siehe das 6. Kapitel).Hier jedoch muß geprüft werden, ob die Folgerung, die Stammleraus seiner richtigen Feststellung, daß alles menschliche Handeln ge-ordnetes ist, für jede sozialwissenschaftliche Betrachtungsweisezieht, zulässig ist. Er ist nämlich der Meinung, daß diese immer nurdie teleologische deshalb sein könne, weil eben soziales Geschehenunter einer Ordnung stehe, folglich auf ein Ziel gerichtet sei, folglichnur als ein zielgerichtetes betrachtet, folglich nur mittels der Kate-gorie Mittel — Zweck erfaßt werden könne. Ein Jäger, so führt erals Beispiel an, kaufe sich ein Gewehr, um einen Hasen zu töten.Seine Handlung müsse also als eine zweckgerichtete betrachtetwerden, nicht als eine bewirkte. Es sei offenbarer Unsinn, den Tod desHasen als die Ursache für den Kauf des Gewehres zu betrachten.
Wie steht es nun damit?
Daß es eine große Verarmung unserer Wissenschaften vommenschlichen Zusammenleben bedeuten würde, wenn wir auf diekausale Betrachtungsweise verzichten müßten, steht außer Zweifel.Und wir würden deshalb sehr betrübt sein, wenn die BeweisführungStammlers schlüssig wäre. Aber ist sie es? Ich glaube nicht.
Einigen wir uns zunächst darüber, daß es zwei verschiedene Artenvon Kausalität gibt: die mechanische, „a tergo“ wirkende, die wirauf die Betrachtung der Natur anwenden, und die Motivkausalität,die für uns allein in Frage kommt. Es ist die „Kausalverbindung nacheinem Vernunftbegriff (nach Zwecken)“, die doch dem geschultenKantianer Stammler sicher ebenso bekannt ist wie mir. Ich mußdiesen schon auf den § 64 der „Urteilskraft“ verweisen, wo uns dieseArt von Kausalität demonstriert wird als eine Reihe, die sowohl auf-wärts als abwärts Abhängigkeit „bei sich führt“, in der das Ding,welches einmal als Wirkung bezeichnet ist, danach aufwärts denNamen einer Ursache desjenigen Dings verdient, wovon es die Wir-kung ist. Als Beispiel führt Kant bekanntlich an: das Haus ist die