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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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2. Die Arten des Verstehensa) Das Sinnverstehen

Genauer müßte ich diese Art des Verstehens als reines Sinnver-stehen bezeichnen, da alles Verstehen auch Sinnverstehen ist. Ge-meint ist derjenige Erkenntnisakt, mittels dessen wir das Zeitlose anden geschichtlichen (kulturellen) Erscheinungen erfassen.

Hierhin rechne ich im Bereiche unserer Wissenschaft

1. das Verständnis derIdeen, mit deren Hilfe wir das Systemder Nationalökonomie aufbauen: siehe das vorhergehende Kapitel.Diese sind in ihrer begrifflichen Reinheit, in ihrer gesetzmäßigenGestalt und in ihrer funktionellen Bedeutung zu erfassen. Es handeltsich also um die Zergliederung der Ideen der Wirtschaft, des Wirt-schaftssystems und der Arbeitsideen. Wie dieses zu geschehen habe,habe ich bereits dargetan, so daß ich mich auf das im vorigen KapitelGesagte beziehen kann.

Eine weitere Aufgabe, die das Sinnverstehen zu erfüllen hat, ist

2 . das Verständnis der möglichen (potentiellen) Bestandteiledes Wirtschaftssystems zu wecken. Diese sind in durchgängigerAllgemeinheit und Abstraktheit darzulegen. Die Aufgabe zerfällt inzwei Teile: einen analytischen und einen synthetischen Teil. In demanalytischen Teile sind die in jedem Bestandteile des Wirtschafts-systems (siehe oben S. i84f.) enthaltenen Möglichkeiten festzustellenund auf ihre eigene Sinnhaftigkeit hin zu untersuchen, also die Mög-lichkeiten der Wirtschaftsgesinnung (des subjektiven Geistes), derWirtschaftsordnung (Organisation) und der Wirtschaftstechnik (Ver-fahren). Wie das zu geschehen habe, habe ich in meiner oben ange-führtenOrdnung des Wirtschaftslebens zu zeigen versucht. DasErgebnis ist das folgende Schema:

Die verschiedenen Möglichkeiten der Gestaltung, denendas Wirtschaftsleben ausgesetzt sein kann:

A. Geist (Wirtschaftsgesinnung):

I. Bedarfsdeckungsprinzip Erwerbsprinzip;

II. Traditionalismus Rationalismus;

III. Solidarismus Individualismus.