Vorgänge „verstehen“? Das heißt also in meiner Sprechweise: istauch die Erkenntnis der menschlichen Seele „immanente“ Erkennt-nis? Wir sind damit an das im letzten Menschenalter von Philo-sophen und Psychologen vielerörterte Problem des Fremdver-Stehens herangekommen.
Es kann nicht meine Aufgabe sein, nun auch meinerseits an diesenErörterungen in langen Ausführungen teilzunehmen. Ich will nur kurzmeinen Standpunkt darlegen.
Von den aufgestellten Theorien erscheinen mir drei als unhaltbar:i. die Analogieschlußtheorie, die von Schleiermacher mitseinem Begriff des kombinatorischen Verstehens begründet,von Dilthey , Erdmann, Simmel u. a. ausgebaut worden ist;3. die Einfühlungstheorie, die wohl von Lipps begründet, vonH. Werner u. a. heute vertreten wird;
3. die Identitätstheorie, die als eine sehr geistvolle All-Seelen-theorie in fast Fechnerscher Prägung bei Max Scheler inseinen „Sympathiegefühlen“ auftaucht, als Gestalttheorie vonKoffka gelehrt wird.
• Diese Theorien sind teilweise (i. und 2 .) empirisch widerlegbar,teils sind sie metaphysischer Natur, wie namentlich die SchelerseheAll-Seelentheorie.
Richtig dagegen erscheint mir diejenige Theorie zu sein, die zuihren Vertretern Max Weber , Spranger, Binswanger, Grau-mann, übrigens auch den Scheler der „Ethik“ u. a. zählt, wonachwir Seele durch Geist, im gleichen Geist, an dem alle Seelen teil-haben, verstehen. Wir verstehen seelische Vorgänge, vor allem alsoMotive, aus dem geistigen Zentrum eines anderen heraus als „inten-tional“ auf etwas gerichtet, an etwas orientiert, das wir kennen.Fremd verstehen ist also immer Fremdsinnverstehen, wobei der Sinnuns vertraut ist. Wie es Schleiermacher schon ausgedrückt hat:wir verstehen immer nur durch das Allgemeine, das Geistige hin-durch, „in dem als einem Gemeinsamen sich die inselhaft getrenntenIndividuen begegnen können“.
Gemäß dieser Auffassung hat eich, namentlich in Deutschland ,eine neue „verstehende“ Psychologie, eine ,,Geist“psychologie enl-