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eine göttliche Fügung wirksam denken, der schlechten, wenn wiruns dem naturhaften Determinismus verschreiben. Aber wir wollendoch Wissenschaft, wenn auch Kulturwissenschaft treiben, und damüssen wir uns schon dazu bequemen, die eben von mir entwickeltenAnsichten für richtig zu halten: Ursachen, auf die wir Kultur-geschehen zurückführen, sind ausschließlich menschliche Motive.Alles andere, vor allem alle Naturtatsachen, können nur als Anlaßoder Bedingung in Rücksicht gezogen werden. Wie man trotz dieserAnnahme der Willensfreiheit auch im Bereiche der menschlichenKultur gewisse Regelmäßigkeiten feststellen kann, werde ich imfünfzehnten Kapitel zu zeigen versuchen.
Unter einem Motiv wollen wir verstehen: den Inbegriff alles See-lisch-Geistigen, das menschliches Handeln bewirkt. Damit ist ge-sagt, daß bei der Aktkausalität, wie man die seelische Kausalitätauch nennen kann, „Geistiges“ als notwendiger Bestandteil in denKausalzusammenhang eingeht: derjenige Umstand, der diese Art derKausalität von der mechanischen äußeren oder Stoßkausalität amdeutlichsten unterscheidet. Menschliches Handeln ist also immer aus-gerichtet auf Sinnzusammenhänge, die dem Handelnden selbst oderdem Beobachter als sinnhafter „Grund“ erscheinen.
Motive können sehr mannigfacher Art sein. Es lassen sich folgendeGegensatzpaare des Handelns unterscheiden:
1. autonomes — heteronomes Handeln; heteronom ist alles Han-deln unter fremdem Willen: etwa des Arbeiters in einer kapi-talistischen Unternehmung;
2 . traditionales — rationales Handeln;
3. wertrationales — zweckrationales Handeln; das zweckrationaleHandeln wiederum kann Zwecken niederen oder höherenGrades dienen: der Unternehmer kann produzieren: um Sach-güter herzustellen, um dadurch Geld zu verdienen, um durchdas verdiente Geld diesen oder jenen Zweck zu erreichen.
Kausalgenetisch einen Kulturvorgang erklären heißt: ihn einembestimmten Motiv als seinem zureichenden Grunde zuordnen.
Diese Feststellungen mußten gemacht werden, um die Frage, dieuns am Herzen liegt, zu beantworten: Können wir auch Seelen-
-Sombavt, Die drei Nationalökonomien 15