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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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wir einen wirtschaftlichen Zustand nicht aus einer Reihe bewußterZwecksetzungen heraus verstehen können. So können wir aus denZwecksetzungen der kapitalistischen Unternehmer zwar denab-soluten Mehrwert im Marxschen Sinne, weiterhin auch die Ver-größerung der Betriebe als notwendiger, gewollter Mittel verstehen;nicht jedoch die Akkumulation des Kapitals oder denrelativenMehrwert. Diese sind ungewollte Wirkungen, bleiben als solche aberverständlich. Kein Unternehmer will zunächst ein Kartell, er willsich nur auf dem Markte durchsetzen. Die Wirkung dieses Strebensist die Überfüllung des Marktes, die Gefährdung des Unternehmens,und diese wird Anlaß zu dem neuen Motiv des Unternehmers, siebmit seinen Konkurrenten zu einem Kartell zusammenzuschließen.Verstehbarer Zusammenhang. Oder: die Überfüllung des Marktesregt den Unternehmer an, seine Produktion einzuschränken, zu bud-getieren: abermals ein neues Motiv und ebenfalls ein verstehbarerZusammenhang.

Dieser Sachverhalt ist dem Logiker und Psychologen unter dervon Wundt eingeführten Bezeichnung derHeterogonie derZwecke bekannt. Wundt versteht darunter die Entstehung vonZwecken aus Nebenwirkungen und Folgen von Handlungen. DasVerhältnis der Wirkungen zu den vorgestellten Zwecken stellt sicheben so dar, daßin der ersteren stets noch Nebeneffekte gegebensind, die in den vorausgehenden Zweckvorstellungen nicht mit-gedacht waren, die aber gleichwohl in neue Motivreihen eingehenund auf diese Weise entweder die bisherigen Zwecke umändem oderneue zu ihnen hinzufügen 100 .

Die Effekte der Willenshandlungen reichen immer über die ur-sprünglichen Willensmotive hinaus, und so entstehen neue Motivemit abermals neuen Effekten; auf diese Weise wachsen die Zweckeund Zweckmäßigkeiten, ohne daß die erreichten Ziele von vorn-herein erstrebt wurden 101 . Die auf den verkehrtesten Vorstellungen

100 W. Wundt, Grundriß der Psychologie. 5 . Auf]. 1902. S. 4 oof. Vgl. die 'interessante Verwendung der Wundtschen Gedankengänge in der Behandlungder Rechts- und Staatsprobleme bei G. Jellinek , Allg. Staatslehre. 3 . Aull. 191 4 -

s. 47 fr.

101 W. Wundt, Ethik. 2. Aull. igo 3 . S. 266. Vgl. Rudolf Eislor, Hand-