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2. Die Arten der Begriffe
Die üblichen Unterscheidungen, von denen auch wir Gebrauchmachen werden, betreffen:
i. den Umfang des Begriffs. Danach unterscheiden wir: Indi-vidual-, Art- (Gattungs-, Klassen-) Begriffe und Typen.
Daß der Individualbegriff in jeder Kulturwissenschaft einegroße Rolle spielt (vielleicht nur in der Kulturwissenschaft involler Reinheit möglich ist?), unterliegt keinem Zweifel. Alle „histo-rischen Individuen“ werden mit seiner Hilfe gebildet, und die all-täglichsten Erscheinungen werden mit ihm erfaßt. Auch in derNationalökonomie arbeiten wir unausgesetzt mit Individualbegriffen.Solche sind etwa: der moderne Kapitalismus , die deutsche Volkswirt-schaft, die Reichsbank.
Dem Individualhegriff gegenüber steht der Art- oder Gattungs-oder Klassenbegriff. Diese Ausdrücke werden in der Regel ohneUnterschied gebraucht. Will man sie unterscheiden, so würden sieje einen verschieden hohen Grad von Allgemeinheit bezeichnen. Mitden naturwissenschaftlichen Begriffen gleichen Namens haben sienichts zu tun. Der Gattungsbegriff, wie ich diese Begriffsart in Zu-kunft bezeichnen werde, ist ein abstrakter Allgemeinbegriff nie-deren oder höheren Grades in dem vorhin schon umschriebenen Sinne,dem ■— weil er abstrakt ist — keinerlei Anschauung entspricht. DieNichtrealisierharkeit bildet ein a priori dieses Abstrakt-Allgemeinen.Ich betone das, was eigentlich selbstverständlich ist, ausdrücklich,weil es von unserem meistgelesenen Nationalökonomen bestritten wird.Nach Othmar Spann 105 gibt es nur „Konkret-Allgemeines“ und„Allgemein-Konkretes“, weil in jedem Allgemeinen ein Konkretes,in jedem Konkreten ein Allgemeines „enthalten“ ist. Das ist un-zweifelhaft richtig, nur ist es falsch, daraus den Schluß zu ziehen:„Alles Allgemeine ist anschaulich (konkret).“
Ich stoße hier an eine (subjektive) „Grenze des Verstehens“:ich besitze einfach die Gabe nicht, „das Pferd“ oder „den Handel“oder „das Werkzeug“ zu „schauen“. Über den einzelnen Schimmeloder das einzelne Handelskontor oder den einzelnen Hammer komme
105 Othm. Spann, Kategorienlehre a. a. 0.