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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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Inhalt ist ebenso reich oder vielmehr reicher als der des besonderenBegriffs, da er tatsächlich das Wesen der Sache zum Ausdruck bringt.Während also, wie man es ausdrücken könnte, alle Allgemeinbegriffevon Naturdingen nominalistische Ordnungsbegriffe sind, sind alle All-gemeinbegriffe von Kulturdingen realistische Wesensbegriffe 104a ,die nur nachträglich als Gattungsbegriffe gleichsam verwendet werden,sofern man ihnen engere Begriffe unterordnet. Während wir alsozu dem Begriff Pferd gelangen, indem wir von Farbe, Größe, Bau-art usw. der einzelnen Pferde absehen, bilden wir den Begriff Hammerweiß Gott nicht, indem wir die besonderen Merkmale des Schmiede-hammers, Maurerhammers, Goldarbeiterhammers usw.weglassen,sondern indem wir positiv dasWesen des Hammers als eines fürbestimmte Zwecke gewählten Werkzeugs, das heißt als Schlagwerk-zeug (verlängerter Arm und verhärtete Faust), in dem Begriffezum Ausdruck bringen. Ebenso schreiten wir zu dem BegriffWerk-zeug nicht weiter, indem wir Hammer, Spaten, Hacke usw. ihrerSondermerkmale entkleiden, sondern indem wir die Merkmale derIdee Werkzeugponieren, während wir natürlich vom Pferd zumHuftier, zum Säugetier, zum Tier immer nur auf demselben Wegeder Entleerung der Begriffe gelangen. Jedes Sachgut, jedes Gerätbildet auf diese Weise einen Allgemein- = Wesensbegriff, dessen In-halt wir aus innerster Zweck- und Sinnerfahrung heraus erfüllen,aber ebenso jede Einrichtung des Menschengeistes: Staat, Kirche,Betrieb, Stadt, Schule, Heer, Bank, Handel usw.

Wir stellen also fest: alle kulturwissenschaftlichen Begriffe sindWesensbegriffe, kein naturwissenschaftlicher Begriff ist Wesens-begriff, denn jede Bestimmung eines Wesens an Naturdingen istMetaphysik, wie wir das früher bereits in Erfahrung gebracht haben.Der Unterschied der Begriffsbildung in den beiden Wissensbereichenentspricht dem Unterschiede der Erkenntnisweisen: der verstehen-den, die von innen nach außen erkennt, und derbegreifenden,ordnenden, die am Äußeren haften bleibt.

104 a Vgl. dazu Sigwart, Logik i 4 , 307 ff., 2 4 , 22off. Sigwart sieht, daßbeimZweckbegriff' das Allgemeine früher als das Spezielle ist, zieht aber nichtdie Konsequenz, daß dieser Tatbestand für alle Kulturbegriffe zutrifft. Vielleichtdas Tiefste hat über Begriffsbildung unter den Logikern des 19. JahrhundertsLotze gesagt. Siehe dessenLogik (1874). SS 9®-