Druckschrift 
Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

259

sicher nicht umTypen, sondern umideale Konstruktionen ganzanderer Natur handelt. Der Sachverhalt ist folgender:

Um des besseren Verständnisses der wirtschaftlichen Zusammen-hänge willen bilden wir rationale Schemata, in denen oder ant denen gezeigt wird, wie sich der Ablauf wirtschaftlicher Ereignissevollziehen würde, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wären undvöllig rational gehandelt würde. Sie entsprechen in logischer Hin-sicht den Schachaufgaben, die wir in den Zeitungen veröffentlichtfinden:weiß zieht an und setzt in drei Zügen matt. Diese Aufgabenstellen Gestaltungen des Schachspiels auf unter der Voraussetzung,daß die Spielregeln eingehalten und daß streng rational, das heißt sozweckmäßig wie möglich gespielt werde. In diesen Zusammenhanggehört auch der märchenhafte homo oeconomicus, jene Spuk-undSchreckgestalt, gegen die Generationenhistorischer Nationalöko-nomen ihren erbitterten Windmühlenkampf geführt haben, und dersich im hellen Lichte des Verstandes als ein ganz harmloses Wesenentpuppt, nämlich als das fingierte Subjekt unserer fingierten Hand-lungen in den rationalen Schematen. Er ist der Mann, der die Schach-aufgabe richtig löst, ein Schachautomat,der perfekte Schachspielerin zehn Stunden, soder perfekte Wirtschaftsmensch, der allesweiß und alles kann und alles will, was dazu gehört,richtig zuhandeln.

Man hat die Aufstellung der rationalen Schemata dasisolie-rende Verfahren genannt und damit zu erkennen gegeben, daßman ihren logischen Sinn nicht erfaßt hatte. Der Ausdruckiso-lierendes Verfahren war, der großen Mode der Zeit gemäß, dernaturwissenschaftlichen Forschung entnommen worden, die darunterdas Verfahren versteht, bestimmte Elemente experimentell zu iso-lieren, um ihre Wirkung im Vergleich zu anderen Elementen fest-stellen und abschätzen zu können. Es handelt sich dabei immer umempirische Tatsachenermittelung, die schließlich in einer Hy-pothese ihren Ausdruck findet. Davon ist nun bei der Anfertigungunserer rationalen Schemata ganz und gar nicht die Rede. Diesehaben mit Wirklichkeit und Wirklichkeitsforschung nicht das ge-ringste zu tun. Man nimmt üblicherweise gewisse Daten aus demLeben, kann aber ebensogut irgendwelche bloß vorgestellten oder

17 *