Druckschrift 
Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

261

Zu diesen Fiktionsgesetzen zählen einige der wichtigsten Wirt-schaftsgesetze. So alle klassischen Preisgesetze: das Gesetz von An-gebot und Nachfrage, das Produktionskostengesetz. Sie besagen nichtsanderes als dieses: Wenn nur ökonomische Beweggründe obwalten,wenn Käufer und Verkäufer wissen, wo der günstigste Markt ist,wenn Waren und Kapitalien sich völlig frei bewegen können, sowerden die Preise bei steigendem Angebot sinken usw. und um dieProduktionskosten pendeln. Es ist möglich, daß nicht ein einzigerPreis in Wirklichkeit sich diesem Schema gemäß bildet. Echte Fik-tionsgesetze sind ebenfalls die aus diesen Preisgesetzen abgeleitetenGesetze, wie dasLaw of Indifference, das Jevons 129 oder dasLaw of Substitution, das Marshall 130 aufgestellt hat. Ein echtesFiktionsgesetz ist das Greshamsche Gesetz.

Endlich gehören - um die beliebig zu verlängernde Reihe der Bei-spiele abzuschließen zu den Fiktionsgesetzen alle aus dem Grenz-nutzenprinzip abgeleiteten Gesetze, also etw'a dasGesetz vom Grenz-nutzenniveau: daß in jeder Wirtschaft an einem bestimmten Pun k te(einer bestimmten Menge) der Erw'erb der Güter einer bestimmtenKategorie aufhört und der einer anderen anhebt, oder: daß die Grenz-punkte des Gütererwerbs eines Individuums voneinander abhängenusw.Es gibt ja einen ganzen Haufen solcherart gebildeter Gesetze. Andiesen Grenznutzengesetzen tritt nun der Bedeutungswandel, den dasWort Gesetz erlebt hat, tritt seine verschiedene Verwendung im Be-reiche der ordnenden und der verstehenden Nationalökonomie beson-ders deutlich zutage. Die Begründer der Grenznutzenlehre, und mankann sagen: so gut wie alle ihre Anhänger haben in den von ihnenaufgestellten Gesetzen ganz massive Naturgesetze erblickt, Gesetze, diesie, wie wir das oben festgestellt haben, aus elementaren Grundtat-sachen des SeelenlebensEmpfindungen empirisch glaubtenabgeleitet zu haben. Sie haben auch nicht daran gezw r eifelt, daßihreGesetze Aussagen über ;die Gestaltung dex Wirklichkeit ent-hielten. Die wirtschaftliche Welt erschien ihnen als ein Durchein-

129 Jevons, Theory of Economics, 211 und öfters.

130 Marshall , Principles of Economics. Book VI. Oh. I. 2. ed. pag. 554