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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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wissen wir selber. Es liegt einte unerträgliche Überheblichkeit darin,uns mit der Darlegung der für uns belanglosen subjektiven Meinungenüber daswas sein sollte zu langweilen. Wenn einmal ein bedeu-tender Forscher uns seine .Ansichten darüber mitteilt, so werden wirsie gern hören. After dinner. In wissenschaftlichen Untersuchungendagegen wollen wir Aufschlüsse über die Zusammenhänge der wirt-schaftlichen Welt erhalten, und gerade diese werden uns vorenthalten,weil der wertende Nationalökonom gar keine Zeit und Sammlunghat, sie zu machen. Er hat es immer zu eilig, uns sein Werturteilaufzudrängen. Wie viele wichtige ;wissenschaftliche Erkenntnissedurch diese krankhafte Sucht, die Dinge zu werten, im Keime er-stickt sind, ist gar nicht zu sagen. Es ist ja heute schon besser ge-worden. Wenn man sich aber die Literatur ansieht, die vor allem inDeutschland beliebt war, als wir jung waren, so ist man geradezu er-schreckt über die Kürze und Unfruchtbarkeit der Erkenntnisreihen,die gerade immer da durch ein Werturteil abgebrochen wurden, wosie hätten anfangen sollen. Von den ästhetischen Qualen, die dieLektüre der Schriften einerethischen Nationalökonomie verur-sacht, will ich gar nicht reden: Werturteile in einem wissenschaft-lichen Traktat wirken auf mich wie Steine im Erbsenbrei.

Wenn ich von praktischen ^Gründen sprach, die uns veran-lassen, auf Werturteile in der Wissenschaft zu verzichten,»so wollteich damit diejenigen bezeichnen, die es zweckmäßig erscheinenlassen, Wertungen zu vermeiden, weil diese geeignet sind, außerhalbder Wissenschaft selbst gelegene Schäden zu verursachen. Einewertende Wissenschaft ein Widerspruch im Beiwort! trägtnämlich dazu bei, sowohl das Ansehen der Wissenschaft zu ver-ringern, als die Würde des Werturteils zu vernichten.

Eine wissenschaftliche Erkenntnis soll richtig sein und ihreRichtigkeit soll bewiesen werden können. Da nun ein Werturteil nierichtig sein und noch viel weniger alsrichtig bewiesen werdenkann, so ergibt sich .das Paradoxon, daß die Wissenschaft ihreminnersten Wesen zuwider unbeweisbare Sätze als ihr Erzeugnis aus-gibt. Das muß aber das Vertrauen in die Wissenschaft notwendigverringern. Jemand, der hört, daß ein und dieselbe Wissenschaft denSchutzzoll und den Freihandel, die Notwendigkeil und Verwerflich-