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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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keit der Sozialpolitik glaubtbeweisen zu können, wird sich mitVerachtung von dieser Afterweisheit abwenden.

Daß aber die Würde des Werturteils herabgesetzt wird, wenn manes zu einerwissenschaftlichen Angelegenheit macht, das heißt aufErfahrung 'aufbaut, in Verstandeskategorien einschnürt und es aufdie Ebene derbeweisbaren Tatsachen herabdrückt, habe ich ananderer Stelle schon als meine Meinung ausgesprochen: siehe obenSeite 83f.

3- Naturwissenschaft und NationalökonomieHaben wir uns alsverstehende Nationalökonomen in den vorher-gehenden Ausführungen mit der richtenden Nationalökonomie aus-einandergesetzt, so müssen wir nun dasselbe tun angesichts der ord-nenden Nationalökonomie. Und zwar wollen wir uns dabei wiederumdesselben Schemas wie vorhin bedienen, wir wollen fragen: können,müssen, ;sollen wir das naturwissenschaftliche, das heißt bloßordnende Verfahren in unserer Wissenschaft anwenden.

Daß man es anwenden kann, beweist ja wiederum das Daseineiner naturwissenschaftlich eingestellten Nationalökonomie, die sogar,wie wir gesehen haben, die Herrschaft ein Jahrhundert hin-durch bis in unsere Zeit hinein gehabt hat. Das bloß ordnende Ver-fahren kann jede Kulturwissenschaft anwenden aus dem einfachenGrunde, weil es das .äußerlichere, oberflächlichere Verfahren ist.Ordnen kann ich ebensogut Kultur- wie Naturerscheinungen, ver-stehen hingegen kann ich nur jene. Deshalb ist umgekehrtdas verstehende Verfahren auf die Natur überhaupt nicht anwendbar.

Diese Überlegung enthält auch schon die Antwort auf die zweiteFrage: ob wir das bloß ordnende Verfahren bei der Erforschung einesKulturgebietswie der Wirtschaft anwenden müssen. Wir müssenuns in der Tat dieses Verfahrens bedienen, wo wir nicht verstehenkönnen, das heißt: wo wir an die unteren Grenzen des Verstehensstoßen, die ich im dreizehnten Kapitel unter 3. abzustecken versuchthabe. Das sind also folgende Fälle:

i. wo wir reine Naturerscheinungen einfach zu registrierenhaben: Emteausfälle Geburtenfrequenz Absterbeord-nungen;

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