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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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mail ilnn vor wirft 13 : es enthalte keine Erörterungen über denSinndes Kapitalismus, das heißt dessen transzendenten Sinn. Natürlichenthält es die nicht, es beansprucht ja, eine Wissenschaft vomKapitalismus zu sein.

Eine Wirtschaftsphilosophie würde endlich enthalten:

3. die Ethik der Wirtschaft, die auf das Ziel gerichtet seinmüßte: die Wirtschaft in den Wertzusammenhang der Welt ein-zuordnen. In diese Wirtschaftsethik vor allem gehört die ganzeProblematik der lichtenden Nationalökonomie, die sich diese wider-rechtlich angeeignet hat. Es wären die Fragen zu beantworten: welcheZiele soll sich die Wirtschaft stecken?, was ist Volkswohlfahrt?,welche Güter sollen erzeugt werden und in welcher Reihenfolge undwelchem Mengenverhältnis?, sollen Krankenhäuser oder Panzer-kreuzer gebaut werden?, ist Luxus verwerflich?, was ist einege-rechte Verteilung?, was eingerechter Preis?, was mit einem Worteinerichtige Wirtschaft? Da, wie ich zu zeigen versucht habe(siehe das sechste Kapitel unter 3.), jede dieser Fragen auf die Fragenach derBestimmung des Menschen hinausliefe, so ist jede meta-physisch verankert und heischt eine philosophische Erörterung.

Wirtschaftsphilosophie treiben ist sicher eine sehr schöne Sache.Aber ich möchte doch hinzufügen: eine sehr schwierige Sache. Daszeigen die kümmerlichen Ansätze, die wir dazu in der sogenanntenethischen Nationalökonomie besitzen. Das beweisen aber auch diePhantastereien des philosophischen Marxismus .

Zu einem guten Wirtschaftsphilosophen gehören Eigenschaften,die sich nur sehr selten in einem Sterblichen vereinigt linden. Ermuß natürlich und vor allem ein guter Philosoph sein, das heißtgewiß nicht nur eine schulmäßig einwandfreie sogenaimte philo-sophische Ausbildung besitzen, sondern auch und vor allem einePhilosophie von Wert lehren, das heißt eine Philosophie, die unsnicht langweilt, deren Heilslehren uns aufhorchen machen und unsdas Blut rascher durch die Adern treiben. Abqj- dieser Philosoph vonGottes Gnaden soll nun es klingt fast wie Hohn sehr gründ-

13 So Arthur Salz, Anmerkungen zu Werner Sombarts Hochkapitalismusin der Zeitschrift für die gesamte Staalswissenschaft. Bd. 85. 1928. Heft 1 und 3 .