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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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ich auch im wesentlichen schon die Stellung umschrieben, die icheinnehme zu denjenigen Forschem, die sich heute in unserer Wissen-schaftTheoretiker nennen, das sind aber die Anfertiger ratio-naler Schemata. Allerdings stehe ich in einem gewissen Gegensätze,wahrhaftig nicht zu der Theorie im echten Sinne, aber dochzu der Theorie in Was wir denTheoretikern vorwerfen,ist ganz gewiß nicht, daß sie überhaupt sich mit der Verfertigungvon Schemata abgegeben, das heißt Produktionsmittel produzierthaben: ohne sie könnten wir nicht produzieren; vielmehr dieses: daßsie sie vielfach schlecht produziert haben und häufig mit ihnen nichtsanzufangen wissen. Unsere Vorwürfe sind genauer bestimmt diese:

(i.) Die überwiegende Mehrzahl derTheoretiker hat dank desihnen eigenen Mangels an nun wirklich theoretischer Bildung (ohne) Sinn und Bedeutung der von ihnen hergestellten Schematanicht richtig erfaßt, hat sie für Naturgesetze gehalten und auf sieein naturwissenschaftlich gerichtetes Lehrgebäude aufgeführt.

(2.) Es sind viel zu viel und oft viel zu komplizierte Produktions-mittel geschaffen getreu dem Zuge unserer Zeit zur AusbildungdesMittels und getreu der Tendenz der kapitalistischen Wirtschaftzur Überproduktion von Produktionsmitteln, deren Benutzungunmöglich ist und die den Produktionsprozeß eher erschweren alserleichtern (wie etwa ein Traktor in einem landwirtschaftlichen Be-triebe, für den er nicht paßt). Diese vielzuvielen Produktionsmittelstehen im günstigsten Falle im Schuppen und rosten.

Ich benutze die Gelegenheit, die mir dieser Gedanke bietet, umdem verehrten Kollegen Schumpeter auf eine Frage zu antworten,die er am Schlüsse seiner sehr liebenswürdigen Anzeige meinesHochkapitalismus aufwirft, wo er schreibt 11 :Es ist eine psycho-logische Frage von einigem Interesse, nie derselbe Mann nämlichich zu derselben Zeit bezüglich desselben Gegenstandes (sc. derTheorie) Geringschätzung und den Wunsch haben kann, sich da-mit zu befassen, und Abneigung, sich seine Elemente anzueignen.Die Antwort ist in dem vorhin Gesagten schon enthalten. Ich schätze

11 J. Schumpeter, Sombarts Dritter Band in Schmollers .lahrbuch Bd. 5i,Heft 3. 1927 . S. 36g.