und Indianer in die Geschichtsschreibung für einen Ausfluß unseres„sozialpolitischen“ Zeitalters ansehen, das auch den Armen undElenden gerecht werden will, und darum gering achten: Breysig wirdanderer Meinung sein, und niemand kann ihn widerlegen. Wenn derPosamentenfabrikant Alfred Müller in Krimmitschau beim fünf-undzwanzigjährigen Bestehen seines Unternehmens dessen „Ge-schichte“ schreiben läßt, so haben wir auch diese als einen Beitragzur Geschichtswissenschaft anzuerkennen. Für ihn und seine Ge-schäftsfreunde ist eben nichts wichtiger aus der ganzen Vergangenheitals das Ergehen dieser Firma. Kommt es etwa auf die Größe desInteressenkreises an? Aber es gibt mehr Menschen, die sich für dieGeschichte der Briefmarken oder des Boxsports interessieren als fürdie Geschichte der ägyptischen Könige. Übrigens kann der „Werl “einer Geschichtsdarstellung durch die Darstellung begründetwerden: eine geistvolle „Geschichte“ (= Darstellung) der Haus-industrie im Mittelalter, an der Hedda Gabler so großen Anstoßnahm, kann wertvoller sein als eine langweilige „Geschichte“ derPerserkönige oder des Christentums. Schließlich kommt es mehrdarauf an, wer über etwas schreibt, als über was er schreibt. Derbegabte Forscher wird auch schon den wertvollen Stoff Anden . Wollteman aber zur Geschichte nur diejenigen Ereignisse als „wichtig“rechnen, die wirkungsvoll, meinetwegen in ganz großem Stil, ge-wesen sind, so würde man damit auch keine Gattung von Tatsachengrundsätzlich aus ihrem Bereich ausschließen können: dieSchweinezucht in einem Lande kann für dessen „Schicksal“ vongrößerer Bedeutung sein als ein genialer Feldherr und dessen sieg-reiche Schlachten, wenn etwa dieses Schicksal durch eine Hunger-blockade entschieden wird.
Unzulässig scheint es mir zu sein, mit Hilfe dieses Begriffs der„Wirksamkeit“ einen Hauptstrom- und einen Neben ström der Ge-schichte, einen aktiven und einen passiven Teil des Geschehens zuunterscheiden, und etwa Staaten- oder politische Geschichte als die„eigentliche“, „echte“ Geschichte auszuscheiden und ihr die „Kultur-geschichte“ als das nebensächliche Beiwerk gegenüberzustellen, wiees eine Zeitlang Mode war. Einem solchen Versuch gegenüber müssenwir geltend machen, daß die Erflndung der Pockenimpfung oder das