Gebaren einer ßankengruppe ebenso und stärker „Geschichte“machen kann, wie ein Staatsvertrag oder eine siegreiche Schlacht.Die Unterscheidung in „große“ und „kleine“, „echte“ und „unechte“,„politische“ und „Kulturgeschichte“ ist wohl nur der Ausfluß einerRessen timen tst i n imung einer Forschergeneration gewesen, die aufdem Gebiete der Diplomatie zu Hause war und von der übrigen Weltnur nebelhafte Vorstellungen hatte. (Ranke!)
Überdies müssen wir uns gegenwärtig halten, daß alles, was ver-wirklicht ist, auch wirkt: das Kleinste wie das Größte, und daß einmalder triviale Satz gilt: „Kleine Ursachen — große Wirkungen“. Ichkann zwar vielleicht im einzelnen Falle bestimmen, was ein Ereignis„bewirkt“ hat, ich kann aber nicht ein für allemal bestimmte Tat-sachen oder Vorkommnisse als wirkende oder wirksame, andre alsunwirksame bezeichnen.
Kann ich also keine Sonderung des Stoffes nach Gegenständenvornehmen derart, daß der eine Teil der Wirklichkeit zur Geschichtegehörte, der andre nicht, so kann ich doch Sphären des geschicht-lichen Wirkens unterscheiden und damit der Geschichtswissenschaftnützliche Fingerzeige geben.
Ich kann zunächst den Regriff einer fiktiven „Gegenwart “ bilden,indem ich darunter diejenige Zeitspanne der Vergangenheit (und Zu-kunft) verstehe, in der die Daseinsbedingungen annähernd dieselbengewesen sind (und sein werden) wie im Augenblick, im „Jetzt“ des„Lebens“. Auf das Wirtschaftsleben bezogen, würde das also die-jenige „Epoche“ oder „Periode“ sein, in der annähernd gleicheWirlschaflsgesinnung, gleiche Ordnung und gleiche Technik herr-schen, in der, kurz gesagt, ein bestimmtes Wirtschaftssystem odermehrere sich auswirken. Diese Epoche bleibt so lange „Gegenwart “— auch in der Zukunft —, als die Daseinsbedingungen sich nichtwesentlich ändern.
Von dieser fingierten „Gegenwart “ aus (daß in Wirklichkeit die„Gegenwart “ nicht über eine Zeitspanne von auch nur der aller-geringsten Länge sich ausdehnt, bedarf keiner besonderen Regrün-dung) kann ich dann die Tatsachen der Vergangenheit bestimmen.Daß jede Wirklichkeit immer nur Vergangenheit sein kann, ist eben-falls einleuchtend. Aber es gibt Vergangenes, das weiter wirkt, das