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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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treibe gleichermaßen empirische Nationalökonomie, wenn ich dasWirtschaftsleben eines Naturvolkes untersuche (antiquarische For-schung) oder das des europäischen Mittelalters (historische Forschung)oder das des Hochkapitalismus, derGegenwart (geschichtliche For-schung im engeren Sinne). Wenn man wie es meist geschiehtnur diese Forschung zurNationalökonomie rechnet mid sie inGegensatz zu derWirtschaftsgeschichte stellt, der man dann dieantiquarische und historische Forschung zuweist, so ist das eine inder Natur der Sache nicht begründete, rein konventionelle Schulein-teilung, die ihre Rechtfertigung höchstens in der verschiedenen Tech-nik der Quellenbehandlung finden könnte.

Von geringerer Bedeutung für die Bewältigung des Geschichls-stofEes scheint mir die Unterscheidung seiner Behandlung nach derVerschiedenheit der Einstellung des Forschers zu sein: jenachdem dieser nämlich die Vergangenheit als Zustand oder als Her-gang betrachtet, das heißt also die Geschichtsforschung unterstatischen oderdynamischen Gesichtspunkten betreibt. Daß dieAnnahme eines ruhenden, sich gleichbleibenden Zustandes eine Fik-tion ist, ist selbstverständlich'. Aber eine solche Fiktion ist zulässigund kann dazu dienen, die Zusammenhänge der Vergangenheit auf-zuhellen. Den Unterschied zwischen statischer und dynamischer Ge-schichtsbetrachtung zu der Unterscheidung vonKulturgeschichteundreiner Geschichte zu verwenden, erscheint mir nicht zweck-mäßig. Alle Geschichte ist Kulturgeschichte denn was sollteStaatenbildung anderes sein alsKultur, und alle Geschichtekann ich in zuständlicher oder veränderlicher Gestaltung mir ver-gegenwärtigen.

Dagegen erscheint mir nun eine dritte Art, den Geschichtsslolf zugliedern, ganz besonders wichtig, das heißt fruchtbar zu sein, ichmeine die Unterscheidung der vergangenen Tatsachen nach demAuftreten der Ereignisse. Sie betrifft gerade denjenigen Zweigder Geschichte, der uns hier angeht: die Wirtschaftsgeschichte be-sonders.

Machen wir uns folgendes klar: alle Geschichte hat die Aufgabe,ein einmaliges Geschehen zu schildern, das heißt: die einmaligeVerwirklichung eines idealen Tatbestandes. Alle Verwirklichung aber