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ist einmalig. U*nd alle Darstellung der Verwirklichung, also alle Dar-stellung des Geschehens ist Darstellung eines Einmaligen und dieseDarstellung des einmaligen Ablaufs der Ereignisse nennen wir ebenGeschichtsschreibung.
Nun ist aber, und auf diese Feststellung kommt es hier an, ein-maliges Geschehen nicht dasselbe wie einziges Geschehen. EinGeschehen bleibt einmalig, auch wenn es sich tausendfach gleich oderrichtiger: ähnlich wiederholt (da es völlige Gleichheit mehrfachenGeschehens nicht gibt). Ein solches in mehreren ähnlichen Fällenauftretendes Geschehen können wir ein kollektives Geschehennennen.
Machen wir uns ferner klar, daß alle Geschichte, namentlich aberdie Wirtschaftsgeschichte, überwiegend mit dem kollektiven Ge-schehen zu tun hat. Ein einziges Geschehen ist nur Gegenstand derMonographie in dem engen Verstände der Schilderung einesSonderfalles, der sich selbst übrigens wiederum aus kollektivem Ge-schehen aufbaut: sogar die Biographie setzt sich aus diesem zu-sammen. Ich kann also die Geschichte der Bank of England , oderdie Geschichte des Hauses Rothschild, oder die Geschichte eineseinzelnen Bauernhofes, oder eines einzelnen Handwerkers schreiben.Offenbar bilden aber solche Monographien gerade in der Wirtschafts-geschichte die Ausnahme. Die Regel ist die Darstellung kollektivenGeschehens als solchen, die nun sehr verschiedene Gradabstufungenaufweisen kann: Geschichte der Londoner Banken, Geschichte derenglischen Notenbanken, Geschichte des englischen Bankwesens, Ge-schichte des großbritannischen Bankwesens, Geschichte des euro-päischen Bankwesens — das alles in einem mehr oder weniger weit-gespannten Zeitrahmen. Ebenso läßt sich ein größerer oder ge-ringerer Grad von Allgemeinheit erreichen, je nachdem man dieGeschichte nur eines Wirtschaftsgebietes oder mehrerer schreibt:nur die Geschichte des Handels oder die Geschichte von Handel undVerkehr oder die Wirtschaftsgeschichte als Ganzes. Von einem be-stimmten Punkte aus kann man nun ein Geschehen als das Be-sondere gegenüber dem allgemeinen unterscheiden: im Rahmen desenglischen Bankwesens ist die Geschichte der Londoner Banken dasBesondere, obwohl sie selbst schon die Darstellung eines kollektiven