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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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der Malerei als einen allmählichen Aufstieg von Grünwald bis FranzMarc . Wenn wir den Gedanken desFortschritts auf Philosophie,Kunst, Dichtung anwenden, tritt er uns in seiner Absurdität sofortgreifbar deutlich entgegen. Aber in einem gewissen Sinne ähneln dieGeistwissenschaften jenen andern Zweigen des menschlichenSchaffens, weil eben bei ihnen das war die Beobachtung, die wirgemacht hatten zu dem bloßen Sachwissen noch andere Bestand-teile hinzutreten: just philosophische und künstlerische, so daß jedesvollkommene Erzeugnis geistwissenschaftlichen Schaffens sich unsimmer auch als ein philosophisches und Kunstwerk darslellf. WarumPhilosophie in jedes geislwissenschaftliche Werk hineinragt, habeich bereits ausgeführt: siehe oben Seite 2 8off. Hier möchte ich nochmit einigen Worten begründen, weshalb alle geistwissenschaftliche For-schung ihrem innersten Wesen nach auf die künstlerische Gestaltunghindrängt. Ihre Werke müssen gestaltet sein, das heißt: sie müssennach Art des Kunstwerks eine geistige Einheit darstellen, die in sichselber ruht. Wenn ein naturwissenschaftliches Werk dieses Geprägeträgt, so ist es eine willkommene Zutat, die aber nicht zum Wesender naturwissenschaftlichen Forschung gehört, weil diese sich in derDarbietung vonGesetzen erschöpft und den Kosmos der Natur inihren Werken gar nicht widerspiegeln will. Die Geistwissenschaftenaber, deren Aufgabe recht eigentlich darin besteht, Sinngebilde undWirkenszusammenhänge in der menschlichen Kultur, die selbstgeistige Einheiten, die selbst ein Kosmos sind, darzuslellen, müssennotwendig, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen wollen, selbst geschlosseneEinheiten, Abbilder des Kosmos des menschlichen Geistes in ihrenWerken schaffen. Was selbst gestaltet ist, was selbst Einheit ist, kannnur in gestalteten Einheiten seinen angemessenen Ausdruck finden.Die naturwissenschaftliche Forschung gipfelt in der Aufstellungeines Gesetzes von weitester Geltung, die geistwissenschaftliche For-schung in der Schaffung eines Werkes von vollendeter Harmonie. So-weit sie keinenpraktischen Zweck hat und soweit sie nichtdemLeben dient, kann ihr Sinn in nichts anderem liegen als in der Er-schaffung geistiger Gebilde, die ihren Wert in sich tragen wie dasKunstwerk. Jede Zeit sucht ihren vollendeten Ausdruck in diesenBegriffsgebäuden, auf deren Errichtung alles wissenschaftliche

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