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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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in Köln von einem Breslauer Händler gekauft wird, damitsie in der Umgebung von Breslau von ihm verkauft werde,ein Vorgang, der, wie der Praktiker weiß, täglich vor sich geht;so ist das eine außerordentlich unwirtschaftliche Handlungsweise,die aber offensichtlich dem Gebiete des Wirtschaftslebens angehört.

Wir müssen deshalb vergessen, daß einmal der Begriffdes Wirtschaftlichen mit dem der Wirtschaftlichkeit überhaupt inVerbindung gebracht worden ist, müssen vielmehr den Begriff derWirtschaft ganz abseits von diesem Irrwege zu finden suchen.Ich will Ihnen meine Begriffsbestimmung der Wirtschaft kurzgeben. Ich verstehe unterWirtschaft" geordnete Unter-haltsfürsorge. In diesen zwei Worten liegt folgender Sinn:Wirtschaft oder wirtschaftliche Thätigkeit ist die von den Men-schen für die Unterhaltsfürsorge aufgewandte Thätigkeit, d. h.diejenige, die aufgewandt wird, um die für unser individuellesDasein zur Ergänzung von außen her notwendigen Sachgüteruns zu beschaffen. Diese Fürsorge ist eine notwendige für denMenschen deshalb, weil er inmitten einer verhältnismäßig kargenNatur ein bedürftiges Wesen ist, d. h. also weil wir wederEngel ohne Bedürfnisse sind, noch in einem Schlaraffenlandeleben, wo wir, auch wenn wir Bedürfnisse hätten, sie ohneweiteres befriedigen können.

Unterhaltsfürsorge in diesem Sinne ist nun aber keinSpezifikum menschlicher Thätigkeit, sondern wird von jederSchwalbe, die ihr Nest baut, von jedem Biber, der seineHöhle baut, kurz von jedem Tiere betrieben; das spezifischMenschliche ist auch hier, wie auf allen Gebieten menschlichenHandelns das Vernünftige. Der Mensch bewirkt seine Unter-haltsfürsorge als vernünftiges Wesen, nach Zwecken, oder, wennSie wollen, nach einem Plane. Der Unterschied zwischentierischer Unterhaltsfürsorge nnd menschlicher ist also der des