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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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in dem Zustande, in dem sich etwa die Nebelflecke bei der Bil-dung der Himmelskörper befinden, d. h. in einem Zustande, dernoch nicht fest ist, noch nichts Greifbares enthält, sondern erstalles dasjenige, was gleichsam die Materie bilden soll für das,was sich daraus entwickelt in wirrem Durcheinander. Wasvor allem bei der Feststellung des Begriffes des Wirtschaft-lichen geradezu Ravagen angerichtet hat, ist das, daß man denBegriff in Verbindung gebracht hat mit einem dem Namennach ähnlichen, das ist nämlich dem der Wirtschaftlichkeit. Wirmüssen uns nun klar machen, daß der Begriff des Wirtschaft-lichen mit dem der Wirtschaftlichkeit garnichts zu thun hat. Esgiebt fehr viele Handlungen des Wirtschaftslebens, die sehrunwirtschaftlich sind, und es giebt sehr viele wirtschaftlicheHandlungen, die keineswegs Handlungen des Wirtschafts-lebens sind.

Um Ihnen dies nur an einem Beispiele Zu verdeutliche«:Wenn Sie heute Abend nach Hause gehen und nicht einen Umwegvon einer halbe» Stunde machen, sondern den direkten Weg gehen,so handeln Sie nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Jedederartige Handlung, die mit möglichst geringem Aufwande einenmöglichst großen Erfolg zu erzielen bestrebt ist, oder mit anderenWorten, die zur Erzielung eines Erfolges möglichst wenig auf-wenden will, au Mühe und dergleichen, ist eine nach demPrinzip der Wirtschaftlichkeit erfolgende Handlung. Es ist alsodieser Begriff für alle Gebiete menschlichen Handelns anwend-bar, während umgekehrt im Gebiete des Wirtschaftslebens keines-wegs, wie ich schon andeutete, immer das Prinzip der Wirt-schaftlichkeit gilt. Jeder Tag belehrt Sie darüber, daß unserWirtschaftsleben häufig sehr unwirtschaftlich ist. Wenn Siebeispielsweise eine Ware in Schlesien anfertigen lassen, dieseper Handel nach Köln bringen, und wenn diese Ware dann