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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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ist die Bindung. Alle Entwickelung wirtschaftlicher Zuständegeht darauf hinaus, daß immer mehr Menschen in Beziehunggesetzt werden, deren Zusammenwirken notwendig ist zur Her-beiführung des gewünschte» wirtschaftlichen Erfolges. Man hates auch so ausgedrückt, daß man gesagt hat, alle Entwickelungder Wirtschaft ist eine zunehmende Differenzierung und Jnte-grieruug der Funktionen der Einzelnen; unsere heutige Kultur-wirtschaft ist nach und nach in ihrer Struktur immer kompli-zierter geworden, beruht auf dem notwendigen Zusammenwirkenunzähliger Einzelwirtschaften. Der Bauer aus seinem Gute,der sich uoch seine gewerblichen Erzengnisse selber schuf, deralles aus dem Boden selber holte, was er für diese gewerb-lichen Produkte au Rohstoffen und was er an Nahrungs-mitteln brauchte, das war ein freier Mann, ein wirtschaftlichfreier Mann; der moderne Kulturmensch, der nichts mehrselber produziert, von dem, was er braucht, sondern der allesvon anderen Produzeuten erhält, dafür, daß er für alle andereneine Ware produziert oder einen Dienst verrichtet, diesermoderne Kulturmensch ist im wachsendeu Maße wirtschaftlichunfrei, gebunden.

Ich will hier darauf nicht näher eingehen, ob und inwelcher Weise der Konflikt gelöst werden könne, der aus dieserThatsache, daß alle wirtschaftliche Entwickelung weitere Bindungist, angesichts der Wahrheit entsteht, daß aller Kulturfortschrittnur in einer Entwickelung der persönlichen Freiheit beruht uudberuhen kann. Ich will nur darauf hiuweisen, daß ein Teildieses Konfliktes eine Lösuug findet in der befreienden Mit-wirkung der technischen Entwickelung bei der Entwickelung unseresWirtschaftslebens, die, wie wir wissen, den Menschen befreitoder, richtiger gesagt, die in ihren einzelnen Gliedern zwarimmer mehr gebundene Menschheit als Ganzes doch zu einer