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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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schwierigsten unserer Wissenschaft eins. Es kann sich deshalbhier nur um wenige Andeutungen handeln, gleichsam um Auf-stellung einiger Gesichtspunkte, von denen aus Sie in der Lagesein werden, den Gegenstand in Zukunft besser betrachten zu können.

Ich will einige Bemerkungen vorausschicken. Ein großerFehler, der bei der Behandlung des aufgeworfenen Themassehr häufig gemacht wird, ist der, daß man den Versuch, unter-nimmt, zwischen Technik und Wirtschaft allgemein gültige,gleichsam naturgesetzlich festlegbare Zusammenhänge nachweisenzu wollen. Viele von Ihnen werden wissen, daß dies derVersuch der sog. materialistischen Geschichtsauffassung ist, dienach dieser Richtung hin abzulehnen ist. Der Versuch zwischenTechnik und Wirtschaft allgemein giltige naturgesetzliche Be-ziehungen aufdecken zu wollen, führt entweder zur Aufstellungvon Gemeinplätzen, wie den: der Reichtum eines Volkes istabhängig von dem Entwickelungsgrade seiner Technik: ein Satz,den niemand bestreiten kann, der aber eine Binsenwahrheitenthält. Oder aber der Versuch führt zu direkten falschen Auf-stellungen. Es ist nämlich gar keinem Zweifel unterlegen, daßeine notwendige Beziehung zwischen einer bestimmten Technikund einer Wirtschaftsverfassung nicht existiert, daß sehr wohlgleiche Technik mit verschiedener Wirtschaftsgestaltung, gleichewirtschaftliche Gestaltung mit verschiedenen Techniken sich sehrgnt verträgt. Die Aufgabe muß vielmehr die sein, daß wireinen Zusammenhang festzustellen versuchen zwischen der kon-kreten Technik einer Zeit und einem konkreten Wirtschafts-systeme derselben Zeit, d. h. daß wir die Frage des Zusammen-hanges zwischen diesen beiden Sphären unter durchaus histo-rischeu Gesichtspunkten betrachten. Das wird im folgenden meinLeitgedanke sein; und zwar liegt es nahe, gerade auf die Be-ziehungen der Technik unserer Zeit zu dem zu unserer Zeit