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Technik und Wirtschaft : Vortrag, gehalten in der Gehe-Stiftung zu Dresden am 16. Februar 1901 / von Werner Sombart
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keit sich gebunden erachten muß an die Schranken, die dastechnische Können ihr stellt, d. h. unsere Betrachtung enthältdie Lehre, daß auch auf dem Gebiete des Wirtschaftslebensdafür gesorgt ist, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen,daß wir keine Luftschlösser ökonomischer Pläne bauen dürfen,die etwa von der Technik abstrahieren oder mit einer fabelhaftenEntwickelung der Technik rechnen, sondern daß wir uns darüberklar sein müssen, daß die wirtschaftliche Existenz sich selbst-verständlich immer nur so weit entwickeln kann, daß auchdas allgemeine Wohlbefinden, daß der Reichtumsgrad, daß vorallem die Hebung der unteren Klassen am letzten Ende bedingtist durch die Entwickelung der Technik, eingeschlossen ist in dieSchranken der Technik.

Aber unsere Betrachtung lehrt uns noch ein Zweites.Sie lehrt uns nämlich die tröstliche Einsicht, daß wir dieserEntwickelung der Technik nicht wie einer Naturentwickelunggegenüberstehen, sondern daß wir einen Einfluß auf ihre Ent-wickelung ausüben können, daß wir insbesondere auch durch dieGestaltung des Wirtschaftslebens, die ja in unserer Hand liegt,die Entfaltung der Technik, die Entwickelung der produktivenKräfte beeinflussen könne», indem wir beispielsweise dafür sorgen,daß die wirtschaftlichen Verhältnisse so gestaltet werden, daß derUnternehmer in seinen: Interesse es für notwendig erachtet, diehöchsten technischen Verfahrungsweisen nun auch thatsächlich an-zuwenden. So wird denn also auch hier die Wissenschaft, dieselbstverständlich als solche nur den einen Zweck hat, Wahrheitzu schaffen, doch wiederum auch zur Förderin des Allgemein-wohles, wird die Dienerin des Heiles der Menschheit!

Druck von Pöschel >d Trepte in Leipzig .