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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
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Geringe Dichtigkeit der Bevölkerung. Geringe territoriale Diffcrenziierung. ZI

Nun halte man für alle Znkmft im Gedächtnis festdenn das ist eine entscheidend wichtige Tatsache! das; in demGebiet des heutigen deutschen Reichs vor hundert Jahren nochnicht halb so viel Menschen wohnten, wie heilte, nämlich etwasüber 24 Millionen gegen S6 Millionen heute. Das macht ausden Quadratkilometer berechnet 45 gegen 104 Menschen aus. Füreinzelne Teile Deutschlands ist der Unterschied noch beträchtlicherzwischen damals und heute. So wohnten vor hnndert Jahrenin der Provinz Schlesien ans dem Quadratkilometer 48, heute115 Menschen; in der Nheinprovinz 70, heute 213; im Königereich Sachsen 78, heute 280 usw.

Nun aber der Grad der Diffcrenziierung selber, soweitwir ihn zu erkennen vermögen. Da will ich gleich an die letztenZiffern anknüpfen und Sie darauf hinweisen, daß wir aus ihnenden geringeren Grad derjenigen Differenziierung zu erkennen ver-mögen, die ich als territoriale bezeichne.

Wenn man nämlich die eben angeführten Zahlen aufmerksambetrachtet, so wird man daraus schließen müssen, daß die verschie-denen Gebiete des deutschen Reichs in verschiedener Stärke währenddes neunzehnten Jahrhunderts ihre Bevölkerung vermehrt haben.Denn wenn in ganz Deutschland die Bevölkerung im Verhältnisvon 45 zu 104 angewachsen ist, d. h. sich etwas mehr als ver-doppelt hat, in einigen Landesteilen aber eine Steigerung der Be-völkerungszisfer auf das dreifache (Rheinprovinz ) und dreieinhalb-fache (Königreich Sachsen) stattgefunden hat, so folgt wohl.daraus,daß andere Gebiete hinter dem Neichsdurchschnitt in ihrer Be-völkerungszuuahme zurückgeblieben sind. Das ist denn auch tat-sächlich der Fall. So ist beispielsweise die Bevölkerung des rechts-rheinischen Bayern nur im Verhältnis von 46 zu 75, dieseuigeBadens wie 66 zu 123, diejenige Württembergs wie 72 zu 111gestiegen. Ich will nun gleich hier die Gründe dieser Verschieden-heit angeben: es ist die verschiedene Stärke der industriellen Ent-wicklung. Einige Landesteile haben sich mehr und mehr zu vor-wiegend industriellen Gebieten entwickelt, während andere ihrenagrarischen oder gemischten Charakter bewahrt haben. Das bedeutetaber für die uns im Augenblick beschäftigende Frage folgendes: