Grundzug des deutschen Wirtschaftslebens, insbesondere aber dieBeziehungen der deutschen Staaten zum Auslande in ihrer Eigen-art dieselben wie im Anfang des Jahrhunderts bleiben, währenddann die große Wandlung eintritt, in die also die Angliederungder norddeutschen Staaten mitten hineinfällt. Überdies sind diefehlenden Gebietsteile für den Gesamtcharakter des deutschen Wirt-schaftslebens zu wenig ausschlaggebeud, um sie allzusehr zu vermissen.
Die Frage ist somit die: welcher Art war die nationale Differen-zierung, in die sich das Mitte der 1830 er Jahre geeinte deutscheZollgebiet hiueiugezogcn sah? In vulgärer Ausdrucksweise: welcheswar der Charakter der deutschen Außenhandelsbeziehungen Ende der1830 er Jahre?
Da wäre denn zunächst der Grad der Differenzierungfestzustellen, ich meiue: wäre zu untersuchen, welchen quantitativenAnteil der Verkehr mit dem Auslande an dem gesamten deutschenWirtschaftsleben gehabt habe, etwa im Vergleich zu heute. Abereine solche Feststellung zu machen, ist außerordentlich schwierig, weiluns zur bloßen Tatsachenermittelnng die notwendigen Anhalts-punkte fehlen, geschweige denn zu einem Vergleiche der Vergangen-heit mit der Gegenwart. Die gemeine Meinung ist die, daß dieVerflechtung Deutschlands mit dein Weltmarkte im Anfang desueunzehnteu Jahrhunderts viel geringer, also der Grad der natio-nalen Differenzierung ein viel niedrigerer gewesen sei als heute.Das ist natürlich richtig, wenn wir nur die absoluten Aus- undEinfuhrziffern in Betracht ziehen. Nach einer Berechnung Raussoll der Wert der Einfuhr in die deutschen Staaten (1842)188,67 Mill. Taler, also rund 566 Mill. Mark, der der Ausfuhr162,9 Mill. Taler oder 488,7 Mill. Mark betrage,, haben. Heuteüberschreitet der Wert der Einfuhr die sechste Milliarde Mark,während der der Aussuhr beinahe die fünfte erreicht.
Auch wenn man die Werte des auswärtigen Handels auf deu Kopf der Bevölkerung berechnet, ergibt sich natürlich eine enormeSteigerung: die Ansfnhr beispielsweise hat sich verzehnfacht, dieBevölkerung kaum verdoppelt. Aber mit allen diesen Ziffern istdie Frage, von der wir ausgingen, garnicht berührt: ob dasdeutsche Wirtschaftsleben früher oder jetzt mit einem größeren Teile