Initiative der unterdrückten Klassen unzureichend.
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fördernd, treibend auf das Wirtschaftsleben einzuwirken. Es warwie eine Art Erbgang. Die ganze Fülle ökonomischer Initiative,die sich in den Regiernugsstubeu konzentriert hatte, wird gleichsamabgegeben; sie bekommt einen neuen Herren: das einzelne, privateWirtschaftssubjekt. Dem wird nun überlassen, die Karre alleinweiter zu schieben, vor der bis dahin die Gäule des Büreau-kratiSmus Vorspann geleistet hatten.
Also — so recht man daran tnt, als treibende Kraft desWirtschaftslebens vor dem neunzehnten Jahrhundert die Büreau-kratie in Berücksichtigung zu ziehen, so falsch wäre es, sie für dasneunzehnte Jahrhundert noch als einen die ökonomische Entwicklungwesentlich bestimmenden Faktor anzusehen. Wollen wir erfahren,auf wessen Wirksamkeit die wirtschaftliche Neugestaltung, wie siesich in den letzten Menschenaltern vollzogen hat, ausschließlich oderdoch vornehmlich zurückzuführen ist, so werden wir vielmehr unterden privaten Wirtschaftssubjekten Umschau halten müssen.
Da wird man denn zunächst an die unterdrückten Klassen,an die auf die Schattenseite des Lebens verschlagenen Elementeder Bevölkerung denken müssen. Das wären also etwa die Ge-sellen, denen die engherzige Znnftpolitik es unmöglich machte,Meister zu werden; die frohn- und abgabepflichtigen Bauern undähnliches. Aber ich glaube, man wird doch sehr bald wahrnehmen,daß in diesen Kreisen sehr wenig revolutionäre Energie und vorallem gar kein Wille zu einer auf völlig neuen Fundamentenaufgebauten Wirtschaftsweise steckte. Der Deutsche hat im allge-meinen kein Talent zur Revolution, das werden wir noch östcrsspüren. Die genannten Klassen gar erst haben sich niemals zuirgendwelchen großen Aktionen aufzuschwingen vermocht. Wäre ihrInteresse allem iu Frage gekommen, so darf man also schließen,dann wäre wohl kaum eine erhebliche Änderung in der Gestaltungdes Wirtschaftslebens eingetreten. Aber wenn wir auch annehmenwollen, jene Klassen hätten aus eigener Kraft zu erkämpfen ver-mocht, was ihren Interessen entsprochen hätte: Aufhebung derZunftordnung, Aufhebung der Erbuntertänigkeit, Ablösung derDienste und Abgabeu ?c., so müsseu wir uns doch auf der Stellesagen, daß damit noch kein Schritt zu der Neuordnung aller Dinge