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Die treibenden Kräfte.
Aber das Jahrhundert sollte nicht zu Eude gehen, ohne nocheinmal eine Periode stärkster spekulativer Färbung erlebt zu haben.Das letzte Jahrfünft bringt auch und gerade für Deutschland zu-gnterletzt eine Zeit blühender Hausse auf dem Gebiete des Wirt-schaftslebens, ausgenommen die Landwirtschaft, die an der allge-meinen Jubelstimmung aus Gründen, die wir noch kennen lernenwerden, nicht teilzunehmen vermag.
Seit Beginn der 1890 er Jahre beginnt die Goldproduktionstark zn steigen. 1890 hatte sie noch 464 Millionen Mark be-tragen, das heißt nicht mebr oder sogar weniger als all die Jahrehindurch seit der Mitte des Jahrhunderts. Im Durchschnitt derJahrfünfte seit 1851 hatte sich die Goldproduktion der Erde be-ziffert auf 5S7, 564, 516, 544, 485, 481, 404, 447 MillionenMark. Nnn aber schnellte sie, dank vor allem der Erschließungneuer Goldfelder in Transvaal und Kanada, aber auch infolgegesteigerter Produktion iu Australien , plötzlich in die Höhe. Siebelief sich
1891 auf 521 Millionen Mark
1892 „ 581
1893 ,. 632 „ „
1894 „ 720
Gerade wie in den Jahren 1848—1851 sammelte sich dasfrisch gewonnene Gold zunächst, ohne zu neuen Taten anzuregen^in den Tresors der europäischen Banken an. Die Goldzufuhrwurde noch gesteigert dnrch eine Reihe zufälliger Umstände. Sosand im Beginn der 1890er Jahre ein ununterbrochener Gold-abfluß aus deu Vereinigten Staaten statt, als Folge teilweise derstarken Silberankäufe des amerikanischen Staatsschatzes uud derentsprechenden Ausgabe von Silberzertifikateu, welche das Gold ausder Zirkulation verdrängten, teilweise hervorgerufen dnrch daswachsende Mißtrauen in die amerikanische Währung, das zn großenRücksendungen amerikanischer Papiere führte. Die Mehraussuhrvon Gold aus den Vereinigten Staaten betrug 1891 68 Mil-lionen K, 1d93 gar 87 Millionen K. So stieg in den Kammernder Deutschen Reichsbank der Goldvorrat von Jahr zu Jahr be-trächtlich. War er im Durchschnitt des Jahres 1890 auf 519 Mil-