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Die Technik.
vertiefe, erfährt die Darstellung, wie das nicht anders zn er-warten ist, eine erhebliche Vereinfachung.
Das erste Prinzip, ans dem die moderne Technik aufgebantist, ist formaler Natur: es beruht in der Anwendung derNaturwissenschaften auf die Technik und die dadurch be-wirkte Umwandlung des empirischen in das wissenschaft-liche oder rationelle Verfahren. Alle frühere Technik, soWunderbares sie auch geleistet hatte, war empirisch gewesen,d. h. hatte auf der persönlichen Erfahrung beruht, die vonMeister zu Meister, von Geschlecht zu Geschlecht durch die ebensoPersönliche Lehre übertragen worden war. Von den Göttern, soglaubte man, war die als ein wunderbares Geheimnis erscheinendeKunst den ersten Menschen überliefert worden, die sie nun alskostbares Vermächtnis ihren Söhnen weitergaben. Dankbar nahmman hin, was die Natur in nnerforschlichem Wirken den arbei-tenden Menschen darbot; in ihre Mysterien einzudringen, lagallen früheren Kulturen fern. Man wußte, welche Handgriffeman anzuwenden hatte, um die Wolle zu verspinnen, die Brückenzu bauen, das Eisenerz zu schmelzen; damit begnügte man sich.Als besondere glückliche Fügung, als Segnung des Himmels priesman es, wenu jemandem der Zufall ein Verfahren wies, dasrascher uud vollkommener zum Ziele führte. Man nahm es hinnnd hütete es und gab es dem Nachkommen weiter, wie maneinen Schatz vererbt, den man bei Lebzeiten geschenkt erhaltenhat. Danach konnte auch alle Lehre nur eine Regellehre sein:Nachweis der Handgriffe, die anzuwenden seien, um einen be-stimmten Ersvlg zu erzielen, einen bestimmten technischen Zweckzu erreichen.
In dieses Halbdnnkel frommen Wirkens fällt nun der grelleSchein naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Das kühn herausfor-dernde: „ich weiß" tritt an die Stelle des bescheiden-stolzen: „ichkann". Ich weiß, warum die hölzernen Brückenpfeiler nicht faulen,wenn sie im Wasser stehen; ich weiß, warum das Wasser demKolben einer Pumpe folgt; ich weiß, weshalb das Eisen schmilzt,wenn ich ihm-'Luft zuführe; ich weiß, weshalb die Pflanze besserwächst, wenn ich den Acker dünge; ich weiß, ich weiß, ich